Engelter, Theen und Schlichtiger in Tsingtau.

Im Jahre 1910 errichtete die Columbia G.m.b.H. in Tsingtau in der Hohenzollernstraße eine Fabrik zur Herstellung von Albumin und Trockeneipräparaten. Als Geschäftsführer kam der Kaufmann Ludwig Engelter mit seiner Familie nach Tsingtau.

Das Paar Engelter ging offenbar im Aug. 1914 nach Tientsin und blieb dort bis ca. 1920, war danach wieder in Tsingtau kaufmännisch tätig, zunächst als Betriebsleiter der Shantung Products Manufacturing Co. (zusammen mit Dr. K. Ludwig), von 1927 bis 1933 als Mitinhaber der Firma Vitama Co., Ltd. mit Filialen in Tsinan und Tsining. Der andere Inhaber war Martin Krogh. Die Firma betrieb eine Pflanzenölraffinerie und produzierte pharmazeutische Nährmittel. 1933 ist das Ehepaar Engelter nach Deutschland zurückgekehrt, Ludwig E. ist irgendwann nach 1945 gestorben.

Das Ehepaar Ludwig und Therese Engelter hatte drei Töchter.

1) Die offensichtlich älteste Tochter war 1910 bereits verheiratet mit einem Herrn Weber und war deshalb nicht nach Tsingtau mehr mitgekommen. Deren Tochter, Elisabeth Weber, heiratete später in Hongkong den Kaufmann Hanspeter Meuser, dessen Vater war der Marinearzt Dr. W. Meuser.     Frau Elisabeth Meuser war 1979 in Hamburg nachweisbar.

 

2) Elisabeth (gen. Else) Engelter, * 10.1.1890, heiratet 1912/13 in Tsingtau den Elektro-Ingenieur Hermann Schlichtiger sen., * 9.3.1881, Angestellter der Firma Siemens-Schuckert.

Schlichtiger nahm an der Verteidigung Tsingtaus teil und war Kriegsgefangener in Japan von Nov. 1914 bis Frühjahr 1920. Seine Frau war August 1914 nach Tientsin gegangen. Hermann ging im Frühjahr 1920 zu seiner Frau in Tientsin und wirkte dort als Ingenieur bis 1934, dann kaufte er sich in Tsingtau das Haus Fushan Road 27 und wohnte dort bis 1950. Das Paar ging dann nach Deutschland, wo es in Heimersheim lebte. Herman sen. ist dort 1965, Frau Schlichtiger 1971 gestorben. –   Dem Ehepaar Schlichtiger war als einziges Kind der Sohn Hermann jun. am 5.12.1926 in Tientsin geboren worden. Er besuchte von 1934 bis zum Abitur 1945 die deutsche Schule in Tsingtau. Ging Juni 1946 mit der „Marine Robin“ nach Deutschland zum Studium der Physik an der TU Stuttgart. War verheiratet. Ist + 1998.

 

3) Luise Engelter, * 1891, heiratet am 14.8.1911 in Tsingtau Theodor Theen, * 1886, seit 1907 in Tsingtau als Kaufmann in der Firma Schwarzkopf & Co. Seine Eltern, Kaufmann Christoph und Caroline Theen, siedeln sich 1910 in Tsingtau an als Privatiers. Dem Paar Theodor und Luise Theen wird am 6.2.1913 in Tsingtau der Sohn Heinz-Lutz geboren. Damit sind zu dem Zeitpunkt 3 Generationen Theen in Tsingtau ansässig, die aber bei Kriegs-ausbruch 1914 nach Tientsin gehen, während Theodor an der Verteidigung teilnimmt und dementsprechend bis 1920 in japan. Kriegsgefangenschaft ist. Er kommt 1920 zu seiner Frau nach Tientsin zurück und wird dort Angestellter der Firma Hackmack & Co., später ist er bei der Defag beschäftigt (noch 1939). Sehr wahrscheinlich sind Theodor Th. und seine Frau 1946 auf der „Marine Robin“ repatriiert worden. Er findet eine Beschäftigung in Ludwigs-hafen bei der BASF. In dem „Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956“ wird Theodor Theen noch erwähnt als Pensionär, er wohnt Ludwigshafen, Brahmsstr. 10.

 

Der Kunstmaler Heinz-Lutz Theen ist zwar in Tsingtau geboren, aber in Tientsin aufgewachsen bis zu seinem 6. Lebensjahr. Von 1937 bis 1939 war er wieder in China und hat sich der Abbildung von Menschen, Gebäuden und Landschaften in China gewidmet, in Öl, Aquarell und Zeichnungen. Er kehrte 1939 über Sibirien nach Deutschland zurück, seine Bilder-Kisten gingen jedoch mit einem Schiff im Roten Meer unter.

1979 nachweisbar in Nord-Ballig bei Flensburg.

 

 

 

 

 

                 Die Familien Engelter, Theen und Schlichtiger in Tsingtau.

 

Im Jahre 1910 errichtete die Columbia G.m.b.H. in Tsingtau in der Hohenzollernstraße eine Fabrik zur Herstellung von Albumin und Trockeneipräparaten. Als Geschäftsführer kam der Kaufmann Ludwig Engelter mit seiner Familie nach Tsingtau.

Das Paar Engelter ging offenbar im Aug. 1914 nach Tientsin und blieb dort bis ca. 1920, war danach wieder in Tsingtau kaufmännisch tätig, zunächst als Betriebsleiter der Shantung Products Manufacturing Co. (zusammen mit Dr. K. Ludwig), von 1927 bis 1933 als Mitinhaber der Firma Vitama Co., Ltd. mit Filialen in Tsinan und Tsining. Der andere Inhaber war Martin Krogh. Die Firma betrieb eine Pflanzenölraffinerie und produzierte pharmazeutische Nährmittel. 1933 ist das Ehepaar Engelter nach Deutschland zurückgekehrt, Ludwig E. ist irgendwann nach 1945 gestorben.

Das Ehepaar Ludwig und Therese Engelter hatte drei Töchter.

1) Die offensichtlich älteste Tochter war 1910 bereits verheiratet mit einem Herrn Weber und war deshalb nicht nach Tsingtau mehr mitgekommen. Deren Tochter, Elisabeth Weber, heiratete später in Hongkong den Kaufmann Hanspeter Meuser, dessen Vater war der Marinearzt Dr. W. Meuser.     Frau Elisabeth Meuser war 1979 in Hamburg nachweisbar.

 

2) Elisabeth (gen. Else) Engelter, * 10.1.1890, heiratet 1912/13 in Tsingtau den Elektro-Ingenieur Hermann Schlichtiger sen., * 9.3.1881, Angestellter der Firma Siemens-Schuckert.

Schlichtiger nahm an der Verteidigung Tsingtaus teil und war Kriegsgefangener in Japan von Nov. 1914 bis Frühjahr 1920. Seine Frau war August 1914 nach Tientsin gegangen. Hermann ging im Frühjahr 1920 zu seiner Frau in Tientsin und wirkte dort als Ingenieur bis 1934, dann kaufte er sich in Tsingtau das Haus Fushan Road 27 und wohnte dort bis 1950. Das Paar ging dann nach Deutschland, wo es in Heimersheim lebte. Herman sen. ist dort 1965, Frau Schlichtiger 1971 gestorben. –   Dem Ehepaar Schlichtiger war als einziges Kind der Sohn Hermann jun. am 5.12.1926 in Tientsin geboren worden. Er besuchte von 1934 bis zum Abitur 1945 die deutsche Schule in Tsingtau. Ging Juni 1946 mit der „Marine Robin“ nach Deutschland zum Studium der Physik an der TU Stuttgart. War verheiratet. Ist + 1998.

 

3) Luise Engelter, * 1891, heiratet am 14.8.1911 in Tsingtau Theodor Theen, * 1886, seit 1907 in Tsingtau als Kaufmann in der Firma Schwarzkopf & Co. Seine Eltern, Kaufmann Christoph und Caroline Theen, siedeln sich 1910 in Tsingtau an als Privatiers. Dem Paar Theodor und Luise Theen wird am 6.2.1913 in Tsingtau der Sohn Heinz-Lutz geboren. Damit sind zu dem Zeitpunkt 3 Generationen Theen in Tsingtau ansässig, die aber bei Kriegs-ausbruch 1914 nach Tientsin gehen, während Theodor an der Verteidigung teilnimmt und dementsprechend bis 1920 in japan. Kriegsgefangenschaft ist. Er kommt 1920 zu seiner Frau nach Tientsin zurück und wird dort Angestellter der Firma Hackmack & Co., später ist er bei der Defag beschäftigt (noch 1939). Sehr wahrscheinlich sind Theodor Th. und seine Frau 1946 auf der „Marine Robin“ repatriiert worden. Er findet eine Beschäftigung in Ludwigs-hafen bei der BASF. In dem „Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956“ wird Theodor Theen noch erwähnt als Pensionär, er wohnt Ludwigshafen, Brahmsstr. 10.

 

Der Kunstmaler Heinz-Lutz Theen ist zwar in Tsingtau geboren, aber in Tientsin aufgewachsen bis zu seinem 6. Lebensjahr. Von 1937 bis 1939 war er wieder in China und hat sich der Abbildung von Menschen, Gebäuden und Landschaften in China gewidmet, in Öl, Aquarell und Zeichnungen. Er kehrte 1939 über Sibirien nach Deutschland zurück, seine Bilder-Kisten gingen jedoch mit einem Schiff im Roten Meer unter.

1979 nachweisbar in Nord-Ballig bei Flensburg.

 

 

 

 

 

Die Familien Engelter, Theen und Schlichtiger in Tsingtau.

Im Jahre 1910 errichtete die Columbia G.m.b.H. in Tsingtau in der Hohenzollernstraße eine Fabrik zur Herstellung von Albumin und Trockeneipräparaten. Als Geschäftsführer kam der Kaufmann Ludwig Engelter mit seiner Familie nach Tsingtau.
Das Paar Engelter ging offenbar im Aug. 1914 nach Tientsin und blieb dort bis ca. 1920, war danach wieder in Tsingtau kaufmännisch tätig, zunächst als Betriebsleiter der Shantung Products Manufacturing Co. (zusammen mit Dr. K. Ludwig), von 1927 bis 1933 als Mitinhaber der Firma Vitama Co., Ltd. mit Filialen in Tsinan und Tsining. Der andere Inhaber war Martin Krogh. Die Firma betrieb eine Pflanzenölraffinerie und produzierte pharmazeutische Nährmittel. 1933 ist das Ehepaar Engelter nach Deutschland zurückgekehrt, Ludwig E. ist irgendwann nach 1945 gestorben.
Das Ehepaar Ludwig und Therese Engelter hatte drei Töchter.
1) Die offensichtlich älteste Tochter war 1910 bereits verheiratet mit einem Herrn Weber und war deshalb nicht nach Tsingtau mehr mitgekommen. Deren Tochter, Elisabeth Weber, heiratete später in Hongkong den Kaufmann Hanspeter Meuser, dessen Vater war der Marinearzt Dr. W. Meuser. Frau Elisabeth Meuser war 1979 in Hamburg nachweisbar.

2) Elisabeth (gen. Else) Engelter, * 10.1.1890, heiratet 1912/13 in Tsingtau den Elektro-Ingenieur Hermann Schlichtiger sen., * 9.3.1881, Angestellter der Firma Siemens-Schuckert.
Schlichtiger nahm an der Verteidigung Tsingtaus teil und war Kriegsgefangener in Japan von Nov. 1914 bis Frühjahr 1920. Seine Frau war August 1914 nach Tientsin gegangen. Hermann ging im Frühjahr 1920 zu seiner Frau in Tientsin und wirkte dort als Ingenieur bis 1934, dann kaufte er sich in Tsingtau das Haus Fushan Road 27 und wohnte dort bis 1950. Das Paar ging dann nach Deutschland, wo es in Heimersheim lebte. Herman sen. ist dort 1965, Frau Schlichtiger 1971 gestorben. – Dem Ehepaar Schlichtiger war als einziges Kind der Sohn Hermann jun. am 5.12.1926 in Tientsin geboren worden. Er besuchte von 1934 bis zum Abitur 1945 die deutsche Schule in Tsingtau. Ging Juni 1946 mit der „Marine Robin“ nach Deutschland zum Studium der Physik an der TU Stuttgart. War verheiratet. Ist + 1998.

3) Luise Engelter, * 1891, heiratet am 14.8.1911 in Tsingtau Theodor Theen, * 1886, seit 1907 in Tsingtau als Kaufmann in der Firma Schwarzkopf & Co. Seine Eltern, Kaufmann Christoph und Caroline Theen, siedeln sich 1910 in Tsingtau an als Privatiers. Dem Paar Theodor und Luise Theen wird am 6.2.1913 in Tsingtau der Sohn Heinz-Lutz geboren. Damit sind zu dem Zeitpunkt 3 Generationen Theen in Tsingtau ansässig, die aber bei Kriegs-ausbruch 1914 nach Tientsin gehen, während Theodor an der Verteidigung teilnimmt und dementsprechend bis 1920 in japan. Kriegsgefangenschaft ist. Er kommt 1920 zu seiner Frau nach Tientsin zurück und wird dort Angestellter der Firma Hackmack & Co., später ist er bei der Defag beschäftigt (noch 1939). Sehr wahrscheinlich sind Theodor Th. und seine Frau 1946 auf der „Marine Robin“ repatriiert worden. Er findet eine Beschäftigung in Ludwigs-hafen bei der BASF. In dem „Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956“ wird Theodor Theen noch erwähnt als Pensionär, er wohnt Ludwigshafen, Brahmsstr. 10.

Der Kunstmaler Heinz-Lutz Theen ist zwar in Tsingtau geboren, aber in Tientsin aufgewachsen bis zu seinem 6. Lebensjahr. Von 1937 bis 1939 war er wieder in China und hat sich der Abbildung von Menschen, Gebäuden und Landschaften in China gewidmet, in Öl, Aquarell und Zeichnungen. Er kehrte 1939 über Sibirien nach Deutschland zurück, seine Bilder-Kisten gingen jedoch mit einem Schiff im Roten Meer unter.
1979 nachweisbar in Nord-Ballig bei Flensburg.

Die Familien Engelter, Theen und Schlichtiger in Tsingtau.

Im Jahre 1910 errichtete die Columbia G.m.b.H. in Tsingtau in der Hohenzollernstraße eine Fabrik zur Herstellung von Albumin und Trockeneipräparaten. Als Geschäftsführer kam der Kaufmann Ludwig Engelter mit seiner Familie nach Tsingtau.
Das Paar Engelter ging offenbar im Aug. 1914 nach Tientsin und blieb dort bis ca. 1920, war danach wieder in Tsingtau kaufmännisch tätig, zunächst als Betriebsleiter der Shantung Products Manufacturing Co. (zusammen mit Dr. K. Ludwig), von 1927 bis 1933 als Mitinhaber der Firma Vitama Co., Ltd. mit Filialen in Tsinan und Tsining. Der andere Inhaber war Martin Krogh. Die Firma betrieb eine Pflanzenölraffinerie und produzierte pharmazeutische Nährmittel. 1933 ist das Ehepaar Engelter nach Deutschland zurückgekehrt, Ludwig E. ist irgendwann nach 1945 gestorben.
Das Ehepaar Ludwig und Therese Engelter hatte drei Töchter.
1) Die offensichtlich älteste Tochter war 1910 bereits verheiratet mit einem Herrn Weber und war deshalb nicht nach Tsingtau mehr mitgekommen. Deren Tochter, Elisabeth Weber, heiratete später in Hongkong den Kaufmann Hanspeter Meuser, dessen Vater war der Marinearzt Dr. W. Meuser. Frau Elisabeth Meuser war 1979 in Hamburg nachweisbar.

2) Elisabeth (gen. Else) Engelter, * 10.1.1890, heiratet 1912/13 in Tsingtau den Elektro-Ingenieur Hermann Schlichtiger sen., * 9.3.1881, Angestellter der Firma Siemens-Schuckert.
Schlichtiger nahm an der Verteidigung Tsingtaus teil und war Kriegsgefangener in Japan von Nov. 1914 bis Frühjahr 1920. Seine Frau war August 1914 nach Tientsin gegangen. Hermann ging im Frühjahr 1920 zu seiner Frau in Tientsin und wirkte dort als Ingenieur bis 1934, dann kaufte er sich in Tsingtau das Haus Fushan Road 27 und wohnte dort bis 1950. Das Paar ging dann nach Deutschland, wo es in Heimersheim lebte. Herman sen. ist dort 1965, Frau Schlichtiger 1971 gestorben. – Dem Ehepaar Schlichtiger war als einziges Kind der Sohn Hermann jun. am 5.12.1926 in Tientsin geboren worden. Er besuchte von 1934 bis zum Abitur 1945 die deutsche Schule in Tsingtau. Ging Juni 1946 mit der „Marine Robin“ nach Deutschland zum Studium der Physik an der TU Stuttgart. War verheiratet. Ist + 1998.

3) Luise Engelter, * 1891, heiratet am 14.8.1911 in Tsingtau Theodor Theen, * 1886, seit 1907 in Tsingtau als Kaufmann in der Firma Schwarzkopf & Co. Seine Eltern, Kaufmann Christoph und Caroline Theen, siedeln sich 1910 in Tsingtau an als Privatiers. Dem Paar Theodor und Luise Theen wird am 6.2.1913 in Tsingtau der Sohn Heinz-Lutz geboren. Damit sind zu dem Zeitpunkt 3 Generationen Theen in Tsingtau ansässig, die aber bei Kriegs-ausbruch 1914 nach Tientsin gehen, während Theodor an der Verteidigung teilnimmt und dementsprechend bis 1920 in japan. Kriegsgefangenschaft ist. Er kommt 1920 zu seiner Frau nach Tientsin zurück und wird dort Angestellter der Firma Hackmack & Co., später ist er bei der Defag beschäftigt (noch 1939). Sehr wahrscheinlich sind Theodor Th. und seine Frau 1946 auf der „Marine Robin“ repatriiert worden. Er findet eine Beschäftigung in Ludwigs-hafen bei der BASF. In dem „Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956“ wird Theodor Theen noch erwähnt als Pensionär, er wohnt Ludwigshafen, Brahmsstr. 10.

Der Kunstmaler Heinz-Lutz Theen ist zwar in Tsingtau geboren, aber in Tientsin aufgewachsen bis zu seinem 6. Lebensjahr. Von 1937 bis 1939 war er wieder in China und hat sich der Abbildung von Menschen, Gebäuden und Landschaften in China gewidmet, in Öl, Aquarell und Zeichnungen. Er kehrte 1939 über Sibirien nach Deutschland zurück, seine Bilder-Kisten gingen jedoch mit einem Schiff im Roten Meer unter.
1979 nachweisbar in Nord-Ballig bei Flensburg.

                 Die Familien Engelter, Theen und Schlichtiger in Tsingtau.

 

Im Jahre 1910 errichtete die Columbia G.m.b.H. in Tsingtau in der Hohenzollernstraße eine Fabrik zur Herstellung von Albumin und Trockeneipräparaten. Als Geschäftsführer kam der Kaufmann Ludwig Engelter mit seiner Familie nach Tsingtau.

Das Paar Engelter ging offenbar im Aug. 1914 nach Tientsin und blieb dort bis ca. 1920, war danach wieder in Tsingtau kaufmännisch tätig, zunächst als Betriebsleiter der Shantung Products Manufacturing Co. (zusammen mit Dr. K. Ludwig), von 1927 bis 1933 als Mitinhaber der Firma Vitama Co., Ltd. mit Filialen in Tsinan und Tsining. Der andere Inhaber war Martin Krogh. Die Firma betrieb eine Pflanzenölraffinerie und produzierte pharmazeutische Nährmittel. 1933 ist das Ehepaar Engelter nach Deutschland zurückgekehrt, Ludwig E. ist irgendwann nach 1945 gestorben.

Das Ehepaar Ludwig und Therese Engelter hatte drei Töchter.

1) Die offensichtlich älteste Tochter war 1910 bereits verheiratet mit einem Herrn Weber und war deshalb nicht nach Tsingtau mehr mitgekommen. Deren Tochter, Elisabeth Weber, heiratete später in Hongkong den Kaufmann Hanspeter Meuser, dessen Vater war der Marinearzt Dr. W. Meuser.     Frau Elisabeth Meuser war 1979 in Hamburg nachweisbar.

 

2) Elisabeth (gen. Else) Engelter, * 10.1.1890, heiratet 1912/13 in Tsingtau den Elektro-Ingenieur Hermann Schlichtiger sen., * 9.3.1881, Angestellter der Firma Siemens-Schuckert.

Schlichtiger nahm an der Verteidigung Tsingtaus teil und war Kriegsgefangener in Japan von Nov. 1914 bis Frühjahr 1920. Seine Frau war August 1914 nach Tientsin gegangen. Hermann ging im Frühjahr 1920 zu seiner Frau in Tientsin und wirkte dort als Ingenieur bis 1934, dann kaufte er sich in Tsingtau das Haus Fushan Road 27 und wohnte dort bis 1950. Das Paar ging dann nach Deutschland, wo es in Heimersheim lebte. Herman sen. ist dort 1965, Frau Schlichtiger 1971 gestorben. –   Dem Ehepaar Schlichtiger war als einziges Kind der Sohn Hermann jun. am 5.12.1926 in Tientsin geboren worden. Er besuchte von 1934 bis zum Abitur 1945 die deutsche Schule in Tsingtau. Ging Juni 1946 mit der „Marine Robin“ nach Deutschland zum Studium der Physik an der TU Stuttgart. War verheiratet. Ist + 1998.

 

3) Luise Engelter, * 1891, heiratet am 14.8.1911 in Tsingtau Theodor Theen, * 1886, seit 1907 in Tsingtau als Kaufmann in der Firma Schwarzkopf & Co. Seine Eltern, Kaufmann Christoph und Caroline Theen, siedeln sich 1910 in Tsingtau an als Privatiers. Dem Paar Theodor und Luise Theen wird am 6.2.1913 in Tsingtau der Sohn Heinz-Lutz geboren. Damit sind zu dem Zeitpunkt 3 Generationen Theen in Tsingtau ansässig, die aber bei Kriegs-ausbruch 1914 nach Tientsin gehen, während Theodor an der Verteidigung teilnimmt und dementsprechend bis 1920 in japan. Kriegsgefangenschaft ist. Er kommt 1920 zu seiner Frau nach Tientsin zurück und wird dort Angestellter der Firma Hackmack & Co., später ist er bei der Defag beschäftigt (noch 1939). Sehr wahrscheinlich sind Theodor Th. und seine Frau 1946 auf der „Marine Robin“ repatriiert worden. Er findet eine Beschäftigung in Ludwigs-hafen bei der BASF. In dem „Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956“ wird Theodor Theen noch erwähnt als Pensionär, er wohnt Ludwigshafen, Brahmsstr. 10.

 

Der Kunstmaler Heinz-Lutz Theen ist zwar in Tsingtau geboren, aber in Tientsin aufgewachsen bis zu seinem 6. Lebensjahr. Von 1937 bis 1939 war er wieder in China und hat sich der Abbildung von Menschen, Gebäuden und Landschaften in China gewidmet, in Öl, Aquarell und Zeichnungen. Er kehrte 1939 über Sibirien nach Deutschland zurück, seine Bilder-Kisten gingen jedoch mit einem Schiff im Roten Meer unter.

1979 nachweisbar in Nord-Ballig bei Flensburg.

 

 

 

 

 

Frinke, Bruno Kaufmann in Tsinan und Tsingtau

 

Frinke, Bruno (1893 – 1961), Kaufmann in Tsinan und Tsingtau

 

* 21.05.1893 in Langenberg, Kreis Mettmann; + 13.01.1961 in Algermissen

 

Bruno Frinke absolvierte 1913/14 seinen Wehrdienst in Tsingtau als Seesoldat im Minendepot. Bei der Belagerung Tsingtaus durch die Japaner (Aug. bis Nov. 1914) wirkte er bei der Verteidigung mit und geriet so in japanische Kriegsgefangenschaft. Ab Nov. 1914 im Lager Himeji, 20.09.1915 verlegt ins Lager Aonogahara.   Dez. 1919 entlassen, Rückkehr nach Deutschland. In der Gefangenenliste wurde als sein Heimatort nicht Langenberg sondern Düsseldorf angegeben.

Welcher Beschäftigung Bruno Frinke in den Jahren 1920-24 nachgegangen ist, ist nicht bekannt. Um 1924 herum heiratet er Maria Günter, Tochter des Arztes Dr. Günter in Algermissen bei Hildesheim. Sie ist * 14.04.1900 in Algermissen (+ 1973 ebendort, evtl. in einem Krankenhaus in Hildesheim). Das Ehepaar geht 1924 nach Tsinan (Ji’nan) in China, Bruno ist Angestellter in der Import- und Export Firma Börter & Niggemann. Das Firmengebäude befindet sich in der 7. Da Ma Lu. Im Oktober 1927 wohnen die Frinkes in der 4. Siau Wei Lu. Er hat sich selbständig gemacht und seine eigene Import- und Export Firma gegründet. Sein Angestellter ist S.Fresson. Frinke vertritt die Firmen J.Busch (Tsingtau), Scherings (Shanghai), Voigtländer (Braunschweig), Polack & Schwars (Zaandam).

Dez. 1930: Die Weltwirtschaftskrise von 1929/30 hat sich anscheinend ausgewirkt, Frinke hat keine eigene Firma mehr, er leitet jetzt die Zweigniederlassung der Tsingtauer Firma Johannes Busch und Otto von Alemann. Diese Import- und Exportfirma hat ihr Firmen-gebäude in Tsinan in der 5. Da Ma Lu. Frinke zeichnet ppa.

Okt. 1933: Frinke leitet wieder eine eigene Import- und Exportfirma. Im November 1934 beziehen die Frinkes eine neue Wohnung: Nr. 274 in der 7. Da Ma Lu.

März 1937: Inzwischen hat Frinke seine eigene Firma wieder aufgegeben und ist Teilhaber der Import- und Exportfirma C.Dau & Co. geworden, zusammen mit dem Kaufmann W.E.Lochte, der ebenfalls in Tsinan lebt. In den 1930iger Jahren hatte es in Tschifu (Yantai) die Firma von Carl Dau gegeben, Angestellter dort war Josef van Hauten. Entweder ist Carl Dau 1936/37 gestorben oder er hat China verlassen, seine Firma wird 1936/37 von Bruno Frinke und W.E.Lochte übernommen und weitergeführt.

1939 zieht die Familie Frinke nach Tsingtau um und wohnt dort bis 1947 in der Ping Yuan Road 10. In dem Haus, das Li Te-shun gehörte, hatte bis 1939 der ehemalige Polizeiwachtmeister Antoschowitz gewohnt, der 1939 mit Frau und Tochter in die Muping Lu 9 umzog. Dem Ehepaar Frinke waren zwischen 1927 und 1938 zwei Söhne und 2 Töchter geboren worden. Um den Kindern eine bessere schulische Ausbildung bieten zu können zog man nach Tsingtau um. Bruno sen. Frinke selbst betrieb weiterhin seine Firma in Tsinan und pendelte zwischen den beiden Städten.

 

In den letzten Kriegsjahren und auch nach Kriegsende hielt sich Bruno sen. Frinke nur noch in Tsingtau auf, die Reise mit dem Zug nach Tsinan war zu gefährlich geworden. Immer wieder griffen chinesische Freischärler oder amerikanische Flieger die Züge an. Nach dem 15. 08.1945 waren es dann kommunistische Truppen, die die Benutzung der Eisenbahnlinie Tsingtau – Tsinan sperrten.

Im Sommer 1946 begann dann die Repatriierung der Chinadeutschen, die in mehreren Etappen zwischen 1946 und 1950 ablief. Wenn man auf der Repatriierungsliste stand, konnte man bei der chinesischen Behörde beantragen, dass man in China bleiben darf. Dies taten auch die Frinkes und so waren sie bei dem ersten Kontingent, das im Juli 1946 auf der „Marine Robin“ China verließ, nicht dabei. Bei dem zweiten Kontingent vom Sommer 1947 hatten Frinkes wieder erreicht, dass sie nicht auf der lokalen Abschiebeliste standen. Diese Freistellungen wurden aber von der chinesischen Zentralregierung in Nanking in letzter Minute nicht anerkannt, und so wurden die Frinkes und eine ganze Reihe anderer Deutscher in Tsingtau ganz überraschend am 28.08.1947 morgens um 5 Uhr aufgefordert, innerhalb von 2 Stunden ihre Sachen zu packen, dann kam der Abtransport in das Polizeiamt. Frau Frinke musste z.T. nasse Wäsche, die noch draußen auf der Leine gehangen hatte, in ihre Koffer packen. Am nächsten Tag, dem 29.08.1947, wurde dieses deutsche Kontingent aus Tsingtau nach Shanghai geflogen und zum Repatriierungsschiff „General Black“ gebracht, das dann in einer mehrwöchigen Fahrt Bremerhaven erreichte. Von dort wurden die Transportinsassen in einem Güterzug nach Ludwigsburg gefahren, die Männer kamen in das ehemalige Zuchthaus Hohenasperg (jetzt Internment Camp No. 76), die Frauen in das Internierungslager Nr. 77.

Nach der Entlassung aus der Internierung ließ sich die Familie Frinke in dem Heimatdorf von Frau Frinke nieder: Algermissen bei Hildesheim. Bruno sen. Frinke war nun 54 Jahre alt. Aufgrund seiner Englischkenntnisse fand er eine Anstellung bei der britischen Besatzungs-truppe, wahrscheinlich im Verwaltungsdienst einer britischen Kaserne bei Hildesheim. Am 13.01.1961 ist Bruno sen. in Algermissen gestorben, Frau Maria Frinke starb 1973.

 

Vier Kinder Frinke:

  • Bruno jun. * 16.01.1927 in Tientsin. Später kaufmännischer Angestellter bei der Firma Siemens, ging für die Firma nach Südafrika, wo er geblieben ist, bis zu seinem Tode am 6.8.2004. –   War dreimal verheiratet. Aus der ersten Ehe drei Söhne.
  • Brigitte, * 25.11.1929 in Tsinan. Krankenschwester, ging nach Johannesburg, arbeitete   zum Schluss in einer Versicherungsfirma. Ein Sohn: Mark Frinke.
  • Uwe, * 24.10.1935 in Tsinan. Hauptschullehrer in Alfter und Kantor der dortigen kathol. Kirche. 1996 bei einem Autounfall getötet. Hinterließ Witwe Erika, eine Tochter und 3 Söhne.
  • Ute, * 18.08.1938 in Tsinan. Dr. med. Kinderärztin. Verheiratet mit dem Kinderarzt Dr. Hans Sieprath in Bad Neuenahr. Aus dieser Ehe sechs Töchter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frinke, Bruno (1893 – 1961), Kaufmann in Tsinan und Tsingtau

 

* 21.05.1893 in Langenberg, Kreis Mettmann; + 13.01.1961 in Algermissen

 

Bruno Frinke absolvierte 1913/14 seinen Wehrdienst in Tsingtau als Seesoldat im Minendepot. Bei der Belagerung Tsingtaus durch die Japaner (Aug. bis Nov. 1914) wirkte er bei der Verteidigung mit und geriet so in japanische Kriegsgefangenschaft. Ab Nov. 1914 im Lager Himeji, 20.09.1915 verlegt ins Lager Aonogahara.   Dez. 1919 entlassen, Rückkehr nach Deutschland. In der Gefangenenliste wurde als sein Heimatort nicht Langenberg sondern Düsseldorf angegeben.

Welcher Beschäftigung Bruno Frinke in den Jahren 1920-24 nachgegangen ist, ist nicht bekannt. Um 1924 herum heiratet er Maria Günter, Tochter des Arztes Dr. Günter in Algermissen bei Hildesheim. Sie ist * 14.04.1900 in Algermissen (+ 1973 ebendort, evtl. in einem Krankenhaus in Hildesheim). Das Ehepaar geht 1924 nach Tsinan (Ji’nan) in China, Bruno ist Angestellter in der Import- und Export Firma Börter & Niggemann. Das Firmengebäude befindet sich in der 7. Da Ma Lu. Im Oktober 1927 wohnen die Frinkes in der 4. Siau Wei Lu. Er hat sich selbständig gemacht und seine eigene Import- und Export Firma gegründet. Sein Angestellter ist S.Fresson. Frinke vertritt die Firmen J.Busch (Tsingtau), Scherings (Shanghai), Voigtländer (Braunschweig), Polack & Schwars (Zaandam).

Dez. 1930: Die Weltwirtschaftskrise von 1929/30 hat sich anscheinend ausgewirkt, Frinke hat keine eigene Firma mehr, er leitet jetzt die Zweigniederlassung der Tsingtauer Firma Johannes Busch und Otto von Alemann. Diese Import- und Exportfirma hat ihr Firmen-gebäude in Tsinan in der 5. Da Ma Lu. Frinke zeichnet ppa.

Okt. 1933: Frinke leitet wieder eine eigene Import- und Exportfirma. Im November 1934 beziehen die Frinkes eine neue Wohnung: Nr. 274 in der 7. Da Ma Lu.

März 1937: Inzwischen hat Frinke seine eigene Firma wieder aufgegeben und ist Teilhaber der Import- und Exportfirma C.Dau & Co. geworden, zusammen mit dem Kaufmann W.E.Lochte, der ebenfalls in Tsinan lebt. In den 1930iger Jahren hatte es in Tschifu (Yantai) die Firma von Carl Dau gegeben, Angestellter dort war Josef van Hauten. Entweder ist Carl Dau 1936/37 gestorben oder er hat China verlassen, seine Firma wird 1936/37 von Bruno Frinke und W.E.Lochte übernommen und weitergeführt.

1939 zieht die Familie Frinke nach Tsingtau um und wohnt dort bis 1947 in der Ping Yuan Road 10. In dem Haus, das Li Te-shun gehörte, hatte bis 1939 der ehemalige Polizeiwachtmeister Antoschowitz gewohnt, der 1939 mit Frau und Tochter in die Muping Lu 9 umzog. Dem Ehepaar Frinke waren zwischen 1927 und 1938 zwei Söhne und 2 Töchter geboren worden. Um den Kindern eine bessere schulische Ausbildung bieten zu können zog man nach Tsingtau um. Bruno sen. Frinke selbst betrieb weiterhin seine Firma in Tsinan und pendelte zwischen den beiden Städten.

 

In den letzten Kriegsjahren und auch nach Kriegsende hielt sich Bruno sen. Frinke nur noch in Tsingtau auf, die Reise mit dem Zug nach Tsinan war zu gefährlich geworden. Immer wieder griffen chinesische Freischärler oder amerikanische Flieger die Züge an. Nach dem 15. 08.1945 waren es dann kommunistische Truppen, die die Benutzung der Eisenbahnlinie Tsingtau – Tsinan sperrten.

Im Sommer 1946 begann dann die Repatriierung der Chinadeutschen, die in mehreren Etappen zwischen 1946 und 1950 ablief. Wenn man auf der Repatriierungsliste stand, konnte man bei der chinesischen Behörde beantragen, dass man in China bleiben darf. Dies taten auch die Frinkes und so waren sie bei dem ersten Kontingent, das im Juli 1946 auf der „Marine Robin“ China verließ, nicht dabei. Bei dem zweiten Kontingent vom Sommer 1947 hatten Frinkes wieder erreicht, dass sie nicht auf der lokalen Abschiebeliste standen. Diese Freistellungen wurden aber von der chinesischen Zentralregierung in Nanking in letzter Minute nicht anerkannt, und so wurden die Frinkes und eine ganze Reihe anderer Deutscher in Tsingtau ganz überraschend am 28.08.1947 morgens um 5 Uhr aufgefordert, innerhalb von 2 Stunden ihre Sachen zu packen, dann kam der Abtransport in das Polizeiamt. Frau Frinke musste z.T. nasse Wäsche, die noch draußen auf der Leine gehangen hatte, in ihre Koffer packen. Am nächsten Tag, dem 29.08.1947, wurde dieses deutsche Kontingent aus Tsingtau nach Shanghai geflogen und zum Repatriierungsschiff „General Black“ gebracht, das dann in einer mehrwöchigen Fahrt Bremerhaven erreichte. Von dort wurden die Transportinsassen in einem Güterzug nach Ludwigsburg gefahren, die Männer kamen in das ehemalige Zuchthaus Hohenasperg (jetzt Internment Camp No. 76), die Frauen in das Internierungslager Nr. 77.

Nach der Entlassung aus der Internierung ließ sich die Familie Frinke in dem Heimatdorf von Frau Frinke nieder: Algermissen bei Hildesheim. Bruno sen. Frinke war nun 54 Jahre alt. Aufgrund seiner Englischkenntnisse fand er eine Anstellung bei der britischen Besatzungs-truppe, wahrscheinlich im Verwaltungsdienst einer britischen Kaserne bei Hildesheim. Am 13.01.1961 ist Bruno sen. in Algermissen gestorben, Frau Maria Frinke starb 1973.

 

Vier Kinder Frinke:

  • Bruno jun. * 16.01.1927 in Tientsin. Später kaufmännischer Angestellter bei der Firma Siemens, ging für die Firma nach Südafrika, wo er geblieben ist, bis zu seinem Tode am 6.8.2004. –   War dreimal verheiratet. Aus der ersten Ehe drei Söhne.
  • Brigitte, * 25.11.1929 in Tsinan. Krankenschwester, ging nach Johannesburg, arbeitete   zum Schluss in einer Versicherungsfirma. Ein Sohn: Mark Frinke.
  • Uwe, * 24.10.1935 in Tsinan. Hauptschullehrer in Alfter und Kantor der dortigen kathol. Kirche. 1996 bei einem Autounfall getötet. Hinterließ Witwe Erika, eine Tochter und 3 Söhne.
  • Ute, * 18.08.1938 in Tsinan. Dr. med. Kinderärztin. Verheiratet mit dem Kinderarzt Dr. Hans Sieprath in Bad Neuenahr. Aus dieser Ehe sechs Töchter.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Frinke, Bruno (1893 – 1961), Kaufmann in Tsinan und Tsingtau

* 21.05.1893 in Langenberg, Kreis Mettmann; + 13.01.1961 in Algermissen

Bruno Frinke absolvierte 1913/14 seinen Wehrdienst in Tsingtau als Seesoldat im Minendepot. Bei der Belagerung Tsingtaus durch die Japaner (Aug. bis Nov. 1914) wirkte er bei der Verteidigung mit und geriet so in japanische Kriegsgefangenschaft. Ab Nov. 1914 im Lager Himeji, 20.09.1915 verlegt ins Lager Aonogahara. Dez. 1919 entlassen, Rückkehr nach Deutschland. In der Gefangenenliste wurde als sein Heimatort nicht Langenberg sondern Düsseldorf angegeben.
Welcher Beschäftigung Bruno Frinke in den Jahren 1920-24 nachgegangen ist, ist nicht bekannt. Um 1924 herum heiratet er Maria Günter, Tochter des Arztes Dr. Günter in Algermissen bei Hildesheim. Sie ist * 14.04.1900 in Algermissen (+ 1973 ebendort, evtl. in einem Krankenhaus in Hildesheim). Das Ehepaar geht 1924 nach Tsinan (Ji’nan) in China, Bruno ist Angestellter in der Import- und Export Firma Börter & Niggemann. Das Firmengebäude befindet sich in der 7. Da Ma Lu. Im Oktober 1927 wohnen die Frinkes in der 4. Siau Wei Lu. Er hat sich selbständig gemacht und seine eigene Import- und Export Firma gegründet. Sein Angestellter ist S.Fresson. Frinke vertritt die Firmen J.Busch (Tsingtau), Scherings (Shanghai), Voigtländer (Braunschweig), Polack & Schwars (Zaandam).
Dez. 1930: Die Weltwirtschaftskrise von 1929/30 hat sich anscheinend ausgewirkt, Frinke hat keine eigene Firma mehr, er leitet jetzt die Zweigniederlassung der Tsingtauer Firma Johannes Busch und Otto von Alemann. Diese Import- und Exportfirma hat ihr Firmen-gebäude in Tsinan in der 5. Da Ma Lu. Frinke zeichnet ppa.
Okt. 1933: Frinke leitet wieder eine eigene Import- und Exportfirma. Im November 1934 beziehen die Frinkes eine neue Wohnung: Nr. 274 in der 7. Da Ma Lu.
März 1937: Inzwischen hat Frinke seine eigene Firma wieder aufgegeben und ist Teilhaber der Import- und Exportfirma C.Dau & Co. geworden, zusammen mit dem Kaufmann W.E.Lochte, der ebenfalls in Tsinan lebt. In den 1930iger Jahren hatte es in Tschifu (Yantai) die Firma von Carl Dau gegeben, Angestellter dort war Josef van Hauten. Entweder ist Carl Dau 1936/37 gestorben oder er hat China verlassen, seine Firma wird 1936/37 von Bruno Frinke und W.E.Lochte übernommen und weitergeführt.
1939 zieht die Familie Frinke nach Tsingtau um und wohnt dort bis 1947 in der Ping Yuan Road 10. In dem Haus, das Li Te-shun gehörte, hatte bis 1939 der ehemalige Polizeiwachtmeister Antoschowitz gewohnt, der 1939 mit Frau und Tochter in die Muping Lu 9 umzog. Dem Ehepaar Frinke waren zwischen 1927 und 1938 zwei Söhne und 2 Töchter geboren worden. Um den Kindern eine bessere schulische Ausbildung bieten zu können zog man nach Tsingtau um. Bruno sen. Frinke selbst betrieb weiterhin seine Firma in Tsinan und pendelte zwischen den beiden Städten.

In den letzten Kriegsjahren und auch nach Kriegsende hielt sich Bruno sen. Frinke nur noch in Tsingtau auf, die Reise mit dem Zug nach Tsinan war zu gefährlich geworden. Immer wieder griffen chinesische Freischärler oder amerikanische Flieger die Züge an. Nach dem 15. 08.1945 waren es dann kommunistische Truppen, die die Benutzung der Eisenbahnlinie Tsingtau – Tsinan sperrten.
Im Sommer 1946 begann dann die Repatriierung der Chinadeutschen, die in mehreren Etappen zwischen 1946 und 1950 ablief. Wenn man auf der Repatriierungsliste stand, konnte man bei der chinesischen Behörde beantragen, dass man in China bleiben darf. Dies taten auch die Frinkes und so waren sie bei dem ersten Kontingent, das im Juli 1946 auf der „Marine Robin“ China verließ, nicht dabei. Bei dem zweiten Kontingent vom Sommer 1947 hatten Frinkes wieder erreicht, dass sie nicht auf der lokalen Abschiebeliste standen. Diese Freistellungen wurden aber von der chinesischen Zentralregierung in Nanking in letzter Minute nicht anerkannt, und so wurden die Frinkes und eine ganze Reihe anderer Deutscher in Tsingtau ganz überraschend am 28.08.1947 morgens um 5 Uhr aufgefordert, innerhalb von 2 Stunden ihre Sachen zu packen, dann kam der Abtransport in das Polizeiamt. Frau Frinke musste z.T. nasse Wäsche, die noch draußen auf der Leine gehangen hatte, in ihre Koffer packen. Am nächsten Tag, dem 29.08.1947, wurde dieses deutsche Kontingent aus Tsingtau nach Shanghai geflogen und zum Repatriierungsschiff „General Black“ gebracht, das dann in einer mehrwöchigen Fahrt Bremerhaven erreichte. Von dort wurden die Transportinsassen in einem Güterzug nach Ludwigsburg gefahren, die Männer kamen in das ehemalige Zuchthaus Hohenasperg (jetzt Internment Camp No. 76), die Frauen in das Internierungslager Nr. 77.
Nach der Entlassung aus der Internierung ließ sich die Familie Frinke in dem Heimatdorf von Frau Frinke nieder: Algermissen bei Hildesheim. Bruno sen. Frinke war nun 54 Jahre alt. Aufgrund seiner Englischkenntnisse fand er eine Anstellung bei der britischen Besatzungs-truppe, wahrscheinlich im Verwaltungsdienst einer britischen Kaserne bei Hildesheim. Am 13.01.1961 ist Bruno sen. in Algermissen gestorben, Frau Maria Frinke starb 1973.

Vier Kinder Frinke:
1) Bruno jun. * 16.01.1927 in Tientsin. Später kaufmännischer Angestellter bei der Firma Siemens, ging für die Firma nach Südafrika, wo er geblieben ist, bis zu seinem Tode am 6.8.2004. – War dreimal verheiratet. Aus der ersten Ehe drei Söhne.
2) Brigitte, * 25.11.1929 in Tsinan. Krankenschwester, ging nach Johannesburg, arbeitete zum Schluss in einer Versicherungsfirma. Ein Sohn: Mark Frinke.
3) Uwe, * 24.10.1935 in Tsinan. Hauptschullehrer in Alfter und Kantor der dortigen kathol. Kirche. 1996 bei einem Autounfall getötet. Hinterließ Witwe Erika, eine Tochter und 3 Söhne.
4) Ute, * 18.08.1938 in Tsinan. Dr. med. Kinderärztin. Verheiratet mit dem Kinderarzt Dr. Hans Sieprath in Bad Neuenahr. Aus dieser Ehe sechs Töchter.

Böhme, Kurt (1887 – 1939), Kaufmann

Kurt Karl Böhme wurde 1887 geboren. Kam 1909, spätestens Frühjahr 1910 nach Tsingtau, und war bis Sommer 1914 tätig als Kaufmann in der Firma Sander, Wieler & Co. Es handelte sich um eine alte deutsche China-Firma (Export, Import, Schiffahrt, Versicherung), die viele Filialen in China hatte. Im Jahre 1914 hatte die Firma 5 Angestellte in Tsingtau: Alfred Seidel als Prokurist, Fritz Straube, Kurt Böhme, Rudolf Steude u. Erich Krüger als Kaufleute. Bis 1. Nov. 1911 hatte die Firma ihr Büro in der Prinz-Heinrich-Str., Ecke Münchener Str. Danach zog sie um in die Kaiserstr. (Guantao Road), Ecke Kanton Str. im Hafenviertel. Böhme wohnte 1911 und 1912 in der Irenestr. 199.

Bei Kriegsausbruch im August 1914 wurde er (aus unbekannten Gründen, er war 27 Jahre alt) nicht eingezogen und er begab sich offensichtlich nach Tientsin. Dort heiratete er am 28.10.1916 Germana Angela Philippa Jandl, geb. 13.12.1897 in Konstantinopel, Tochter des Eisenbahningenieurs Rudolf Jandl. Dieser war mit seiner Familie 1899 nach Tsingtau gekommen, als Angestellter der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft, und bis 1904 als Sektionsingenieur beim Bau der Schantung-Eisenbahn von Tsingtau nach Jinan (430 km) eingesetzt worden. Von 1909 bis 1912 war er als Ingenieur beim Bau der Tientsin-Pukou-Eisenbahn tätig und hatte sich 1912/13 mit Frau und 3 Töchtern in Tsingtau niedergelassen. Bei Kriegsausbruch im Aug. 1914 ging die Familie Jandl dann nach Tientsin, wie es auch Kurt Böhme getan hatte.

Dem Ehepaar Kurt und Germana (genannt Cherri) Böhme wurde am 23. 9. 1917 in Tientsin der Sohn Hans Rudolf Franz geboren. Einen Monat zuvor, am 14.8.1917, hatte China dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Eine Reihe von Tientsin-Deutschen wurde in einem Lager, weit weg in den Westbergen, interniert, vielleicht auch das Ehepaar Böhme. Das endgültige Aus kam dann im Frühjahr 1919. Die Briten bedrängten die Chinesen, sie sollten alle China-Deutschen ausweisen, was dann auch in großem Maßstabe geschehen ist. Die Familien Böhme und Jandl kamen so im Frühjahr 1919 zwangsweise nach Deutschland zurück. Die Transportbedingungen auf den britischen Schiffen waren z.T. unmenschlich gewesen.

Kurt Böhme ließ sich in Altona nieder. Dort wurde dem Paar der zweite Sohn Fritz Joachim am 23.12.1923 geboren. Im Jahre 1924 kehrte er mit Familie nach Tsingtau zurück.

Böhme ist Einzelunternehmer, sein chinesischer Firmenname lautete: Gu de yang hang. Er ist tätig in Versicherungen, Export, Import und ist Agentur für die Hapag-Linie. Er hat sein Büro in der Wusung Str. 13, wohnte aber 1924/25 in der Lungkou Rd. 5, ab 1926 in der Jiangsu Rd. 5. Im Laoshan baut er sich eine Villa. Ab 1927 hat er als Angestellte in seiner Firma die Herren R.Steude und A.Kretschmer.

1931 eröffnet die alte Hamburger Export-Import-Firma Carlowitz & Co. (Li ho yang hang) wieder eine Tsingtauer Filiale, die Böhmes Büro in der Wusung Straße übernimmt. Böhme liquidiert seine Firma und wird Leiter der Carlowitz Filiale. Das Tsingtauer Adressbuch von Januar 1932 meldet als Beschäftigte dieser Firma: Kurt Böhme, Manager; Gerhard Frantz, zeichnet per Prokura; R. Steude, Shipping; W. Dohse; Frl. I. Boosen.

1935 wure in Tsingtau die Abfolge der Hausnummern geändert, aus Wusung Rd. 13 wurde nun Wusung Rd. 52.

1934 errichtete die Deutsche Gemeinde am Fuß der Prinz Heinrich Berge (Fuschan) ein Klubhaus mit Tennisplätzen und Schwimmbad. Die Einweihung war im Dezember 1934. Da Herr Böhme wohl den größten Teil des Baugeldes gestiftet hatte, erhielt das Gebäude nach seinem Tode (1939) den Namen: Böhme Haus. Der Architekturentwurf stammte von Paul Friedrich Richter.

Die Söhne besuchten die deutsche Schule in Tsingtau. Hans von 1925 bis 1933. Am Palmsonntag 1933 wurde er in der Christuskirche von Pfarrer Dr. Seufert konfirmiert. Danach wurde er nach Deutschland geschickt, um dort Abitur zu machen und dann Medizin zu studieren. –   Fritz besuchte die Tsingtauer Schule von 1929 bis 1939.

Kurt Böhme ist am 21.7.1939 in Tsingtau gestorben, er wurde nur 52 Jahre alt. Seine Witwe kehrte daraufhin, zusammen mit dem jüngeren Sohn Fritz, nach Deutschland zurück. Auf der Eisenbahnreise via Sibirien wurden die beiden begleitet von Fritz Hübotter, der ein Jahr jünger war als Fritz Böhme. Frau Germana Böhme heiratete 1940 Dr. Otto Joerden, Studienrat in Rendsburg. Joerden war von 1928 bis 1932 Lehrer an der deutschen Schule in Tsingtau gewesen. Die beiden kannten sich aus dieser Zeit. (Die Biographie von Dr. Joerden befindet sich in dieser Webseite.)

Der Sohn Fritz ist während des Krieges gefallen. Hans überlebte den 2. Weltkrieg und wurde Landarzt in Linz in Österreich. Nach der Pensionierung Dr. Joerdens im Jahre 1951 zog das Paar auf die Insel Reichenau. Dort ist Frau Germana Joerden am 20.4.1963 gestorben.

Kropff, Hans von (1879 – 1914), Redakteur

Hans Walter Reimund von Kropff wurde * in Erfurt 15.2.1879 als Sohn des Oberstleutnants z.D. Richard von Kropff, Herr auf Kalgen bei Königsberg i.Pr., und der Berta Andersch.

Er kam als Leutnant a.D. im Jahre 1904 nach Tsingtau als der erste verantwortliche Redakteur der Tageszeitung „Tsingtauer Neueste Nachrichten“, die ihr Erscheinen am 1.11.1904 begann. Sie war gegründet worden von Carl Fink, dem Herausgeber der Shanghaier Wochenzeitung „Der Ostasiatische Lloyd“.   Kropff war von Nov. 1904 bis 26.6. 1908 der verantwortliche Redakteur der TNN.   Nach seinem Ausscheiden beschloss Kropff, und die hinter ihm stehende Lobby, wieder eine Wochenzeitung in Tsingtau zu gründen. Eine solche hatte es schon einmal gegeben, von Nov. 1898 bis Dez. 1904, die „Deutsch-Asiatische Warte“. Sie erlag dann im Dez. 1904 der neuen Tageszeitung „Tsingtauer Neueste Nachrichten“.   Kropff als Herausgeber nannte seine Wochenzeitung „Kiautschou-Post“, das erste Exemplar erschien am 10.10.1908, gedruckt bei Adolf Haupt. Insgesamt sind 5 Jahrgänge erschienen, bis zum 31.12.1912.   Der seit 26.6. 1908 neue Mitherausgeber und verantwortliche Redakteur der TNN, J.G. Walther, scheint nicht zurechtgekommen zu sein, so dass Fink und J.G.Walther die TNN für 6000.- $ am 1.1.1911 an Kropff verkaufte. Walthers bisheriger Mitarbeiter, Fritz Secker jun., trat zum Ostasiatischen Lloyd in Shanghai über. Vom 1.1.1911 bis 31.12.1912 war Kropff gleichzeitig Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der TNN und der Kiautschou-Post. Anfang 1913 verkaufte Kropff die TNN an den Chefredakteur der „Weimarischen Zeitung“ Dr. Gerhard Menz in Weimar und fuhr am 24.3. ab nach Deutschland (über Sibirien). Menz traf am 31.3. in Tsingtau ein. (siehe Einzelbiographie). 1914 erschien von Kropff das kleine Heftchen: „Deutsche Soldaten in Kiautschou“, Leipzig 1914, 32 Seiten. Es sollte die Rekruten, die jährlich von Cuxhaven aus zur Ablösung eines Teiles der Mannschaft des 3. Seebataillons nach Tsingtau geschickt wurden, auf die Stadt und was sie bietet vorbereiten. Außerdem engagierte er sich in der Debatte um die Boden- und Steuerordnung Tsingtaus, die Schrameier 1898 etabliert hatte und die bis zum Schluss, 1914, unverändert durchgehalten wurde, mit dem Aufsatz: „Eine Neue Landordnung für Kiautschou“ in: Um Grund und Boden, Vierteljahreshefte des Schutzverbandes für Deutschen Grundbesitz. –   Berlin 1914, II. Band, S. 81-87.

Im Laufe des Jahres 1914 verlobte er sich mit Helene Hauschild (* in Magdeburg 5.1.1891). Als am 1.8.1914 der Krieg begann, heirateten die Beiden am 3.8.1914 und anschließend musste Hans als Leutnant und Kompanieführer im Landwehr-Infanterie Regiment Nr. 4 ins Feld ziehen. Er kämpfte gegen die in Ostpreußen eindringenden Russen und wurde am 18.8.1914 bei Kraupischken verwundet. Im Lazarett in Königsberg i.Pr. starb er am 3.9.1914 an den Folgen der Verwundung, 35 Jahre alt.

 

 

 

Sander, Hermann (1884 – 1960), Lehrer an der DCH

Hermann Sander wurde in Stolberg geboren am 2.9.1884. Er erhielt eine Ausbildung als Volksschullehrer. Im Sept. 1911 kam er mit seiner Frau Bertha, geb. Jenny, nach Tsingtau als Lehrer an der Unterstufe der Deutsch-Chinesischen Hochschule. Die 6jährige Unterstufe entsprach ungefähr den Jahrgängen eines Gymnasiums. Den chinesischen Schülern musste in der Hauptsache Deutsch beigebracht werden, aber sie erhielten auch Unterricht in allgemeiner Geschichte und Geographie, Mathematik, Biologie, Physik und Chemie. Offensichtlich wurde Sander hauptsächlich auf den Deutschunterricht angesetzt, denn er publizierte 1913-14 zwei entsprechende Lehrbücher. 1913 erschien „Deutsches Lesebuch für Deutsch-Chinesische Schulen“, I. Band. Es enthält rund 100 deutsche Texte, z.T. in Frakturschrift, z.T. in lateinischer Schrift. Rund 150 Seiten. Dazu ein kleines Heftchen (nur 19 Seiten) mit dem Titel: Erläuterungen, bearbeitet von der Übersetzungsanstalt der D.C.H. Tsingtau. Diese Erläuterungen sind z.T. auf Chinesisch. – 1914 erschien dann der II. Band (3. Schuljahr) des Lesebuchs für Deutsch-Chinesische Schulen, mit 96 Texten auf 152 Seiten. Dazu gab es auch wieder ein Heftchen mit Erläuterungen durch die Übersetzungsanstalt.

Sander kaufte sich sehr rasch ein Grundstück in der Nähe der Hochschule und baute sich ein Haus dort. Es hatte (nach der neuen Zählung ab 1.1.1914) die Adresse: Kaiser-Wilhelm-Ufer 73. Dem Paar wurde am 19.7.1912 die Tochter Ursula geboren.

Als der Krieg mit Japan begann, diente Sander bei der Verteidigung als Vizefeldwebel der Reserve in der 1. Kompanie des III. Seebataillons. Dementsprechend kam er in japanische Kriegsgefangenschaft, war zunächst im Lager Osaka, dann in Ninoshima. Frau Sander blieb mit Tochter Ursula von 1914 bis 1920 in Tsingtau und zog dann nach Wusung zu ihrem Mann, der nach Kriegsende an die dortige deutsch-chinesische Tongji-Universität gegangen war. Wieder war er an der Unterstufe, der sog. Mittelschule, als Deutschlehrer tätig. 1922 erschien in erster Auflage: „Kurzgefasstes Lehrbuch der Deutschen Sprache für Chinesen“, von H. Sander, Tung Chi Hochschule, Wusung. 137 Seiten. Gedruckt von der Missionsdruckerei in Yenchowfu. Im Frühjahr 1924 erschien die erheblich verbesserte 2. Auflage. Dieser Band erlebte viele Auflagen, 1929 kam die 15., 1931 die 16. Auflage heraus. Außerdem scheint es wieder ein Deutsches Lesebuch für Chinesen gegeben zu haben, mit einem Begleitheft: „Erläuterungen“. Von dem Begleitheft ist ein Exemplar bezeugt (2. Aufl., Wusung 1925, 38 Seiten). Außerdem hat er ein „Deutsch-Chinesisches Übungsbuch für Lehrer“ publiziert. Sander war bis April 1929 an der Tongji Universität tätig und verließ am 17.5.1929 die Stadt.

Der weitere Aufenthalt ist nicht bekannt.

Im Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956 wird als seine Adresse angegeben:

Hermann Sander, Reg. Lehrer i.R., Heumadener Str. 199, Stuttgart-Lederberg. Herr Sander ist am 04.09.1960 gestorben. Frau Bertha Sander (* 1892) starb am 24.3.1980.

 

 

 

 

 

 

 

Geschichte des Internationalen Friedhofs in Tsingtau (1899 bis 1966)

Im Jahre 1959 verfasst von D. Dr. Wilhelm Seufert, Pfarrer i.R.

Mit Ergänzungen durch Dr. Wilhelm Matzat

Wir befinden uns im Jahr 2014. Viele Veranstaltungen und Publikationen werden in diesem

Jahr einem Geschehen gewidmet sein, das vor 100 Jahren sich ereignete: der Begin des 1. Weltkrieges, der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, wie ein Historiker ihn genannt hat. Auch in der Geschichte Tsingtaus brachte das Jahr 1914 eine markante Zäsur: die Kriegserklärung Japans an das Deutsche Reich und die daraus folgende Belagerung und Eroberung Tsingtaus. Über 4000 deutsche und österreichische  Männer hatten vergeblich versucht, die Stadt gegen den Angriff zu verteidigen. Rund 200 deutsche Männer sind gefallen, sie wurden auf dem deutschen Friedhof Tsingtaus in einem geschlossenen Bereich beerdigt. Während die Japaner bald nach 1914 im Forstgarten eine große, hohe „Pagode“ zum Andenken an die japanischen Gefallenen errichteten, hat die deutsche Gemeinde in Tsingtau erst 1930 ein Ehrenmal bei den Kriegsgräbern errichten können. Das japanische Denkmal wurde 1945, sofort nach dem Ende des 2. Weltkrieges, von den Chinesen gesprengt und beseitigt, während das deutsche Ehrenmal und alle Grabsteine des Friedhofes erst 1966 im Zuge der Kulturrevolution abgeräumt wurden. Die deutsche Seite, vor allem der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., hat nach 1966 immer wieder einmal an die chinesische Seite die Anfrage geschickt, ob nicht doch ein Gedenkstein bei den Kriegsgräbern von 1914  errichtet werden könnte. Diese Frage ist natürlich besonders im jetzigen  Gedenkjahr 2014 virulent. Sehr wahrscheinlich wird die chinesische Seite bei ihrer bisherigen Ablehnung bleiben.

            Auf jeden Fall möchte ich hiermit eine Geschichte des Internationalen Friedhofs von Tsingtau veröffentlichen, die Dr. Wilhelm Seufert im Jahre 1959 maschinenschriftlich festgehalten hat.

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Hinzpeter, Hermann

Hinzpeter, Hermann (1884 – 196), Postsekretär

(Die Biographie wurde aufgeschrieben von seiner Enkelin Regine Oswald.)

Mein Großvater, Herrmann Hinzpeter, wurde am 10. August 1884 in Güstrow/Mecklenburg als Sohn eines Eisenbahnsekretärs geboren. Nach Abitur, Einjährig-Freiwilligem (Militärdienst) und Ausbildung zum Postbeamten besucht er im Wintersemester 1908/09 zusammen mit Max Albrecht („Mäxchen“) Schmidt (späterer Kollege in Tsingtau) das Orientalische Seminar in Berlin zur Vorbereitung seines Auslandseinsatzes.

Mein Großvater fuhr im Februar 1909 mit der sibirischen Eisenbahn und dann mit dem Schiff nach Tsingtau, wo er am 05. März 1909 eintraf. Er war im Kaiserlichen Deutschen Postamt   als Postbeamter tätig. Dort lernte er auch seinen Kollegen August Börter kennen. Im nächsten Jahr (1910) baute er zusammen mit Postinspektor Ludwig Schulz ein Wochenendhaus im Lauschan: Die Villa Hinzpeter bzw. wie es in meiner Familie hieß: Villa Bergfrieden.

Er war sehr an Land und Leuten interessiert und unternahm von Tsingtau aus in seiner freien Zeit viele Reisen. Weiterlesen

Wagner, Dr.phil. Wilhelm (1886 – ?) Landwirtschaftslehrer

Wilhelm Wagner wurde am 27.09.1886 geboren zu Oelsberg bei Nastätten, Kreis  St.Goarshausen, als Sohn des Bauunternehmers Philipp Wagner und der Katharina, geb. Schmidt. Er besuchte die Oberrealschule in Wiesbaden bis zum Abitur 1906. Vom WS 1907/08 bis zum SS 1910 absolvierte er in Bonn ein Studium im Fach Landwirtschaft an der landwirtschaftlichen Akademie und im Fach Nationalökonomie an der Universität Bonn. Im Juni 1910 bestand er das Examen für Landwirtschaftslehrer und promovierte am 23.11.1910 zum Dr.phil. im Fach Landwirtschaft mit der Arbeit: „Die Entwicklung des Rinderkörpers von der Geburt bis zum Abschluss des Körperwachstums“ (gedruckt Hannover 1910).

Im Januar 1911 (Wagner war erst 24 Jahre alt) wurde er vom Reichs-Marine-Amt als Dozent für Landwirtschaft an die Deutsch-Chinesische Hochschule in Tsingtau berufen. Diese war im Oktober 1909 gegründet worden, zunächst mit einer technisch-naturwissenschaft-lichen und einer juristisch-staatswissenschaftlichen Abteilung. Sein Auftrag war, der Hochschule eine land- und forstwirtschaftliche Abteilung anzugliedern. Wagner, der am  31.03.1911 in Tsingtau eingetroffen war,  stürzte sich mit jugendlichem Elan auf diese Aufgabe und bis 1914 war der Aufbau mehr oder weniger geschafft. Seine eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen aus der Zeit seiner Tätigkeit dort legte er nieder in der von ihm herausgegebenen Schriftenfolge: „Berichte aus der land- und forstwirtschaftlichen Abteilung der Deutsch-Chinesischen Hochschule“. Fünf Hefte sind bis Juli 1914 erschienen (ich besitze die ersten 4 Hefte).

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Cordes, Heinrich (1866 -1927), Dolmetscher und Bankdirektor

Geboren in Lübbecke/Westf.  5.3.1866, evangel. –  Gestorben in Breslau am 5.7.1927Eltern: Carl Cordes,  Gerichtssekretär am Landgericht in Bielefeld, u.Marie, geb. Schuster.

Heinrich besuchte die Bürgerschulen in Lübbecke, dann in Halle/Westf., später das Realgymnasium in Bielefeld, wo er das Abitur 1886 absolvierte. Daraufhin Militärdienst als Einjähriger vom 1.4.1886 bis 1.4.1887, schließt diesen ab als Vizefeldwebel d.R., erhält später den Rang als Leutnant d.R. Beginnt Ostern 1887 an der Universität Berlin das Studium der Philologie, wechselt aber nach einem Semester über zum Jura-Studium. Gleichzeitig tritt er am Seminar für Orientalische Sprachen in die Chinesischklasse ein und absolviert erfolgreich am 24.7.1890 die Diplomprüfung für Chinesisch. Am 26.2.1892 besteht er die erste juristische Staatsprüfung und wird ab 31.3.1892 als Gerichtsreferendar angestellt. Einige Wochen vorher hatte er an das Auswärtige Amt den Antrag gestellt, in den auswärtigen Dienst übernommen zu werden. Am 24.8.1892 teilt das AA ihm mit, dass er als Dolmetscheraspirant nach Peking gehen kann. Im deutschen Auswärtigen Dienst gab es damals noch drei streng geteilte Lauf-bahnen: den diplomatischen, konsularischen und Dolmetscher-Dienst. Ein Dolmetschereleve mußte sich für 10 Jahre verpflichten. Danach bestand eventuell die Möglichkeit, in den konsularischen Dienst übernommen zu werden. Hierfür mußte man sich einer sog. Konsulats-prüfung unterziehen. Sie bestand in der Anfertigung zweier schriftlicher Arbeiten, einer „wissenschaftlichen“ und einer „praktischen“, die letztere mußte in Englisch oder Französisch geschrieben werden. Fielen die Arbeiten nicht so gut aus, erfolgte noch eine mündliche Prüfung.

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Eitel, Fritz (1889 – 1968), Arzt (geb. als Karl Fink)

Dr. Fritz Eitel wurde unter dem Namen Karl Friedrich Fink am 15.12.1889 in Nagold geboren, als Sohn des dortigen Königl. Steuerwächters Karl Michael Wolfgang Fink (evangel.) und der Katharine Margarethe, geb. Heß (evangel.). Die Taufe fand am 29.12.1889 statt.  Dr. Eitel hat nach dem 2. Weltkrieg zu erkennen gegeben, dass er auch jüdische Vorfahren hat. Aus den Kirchenbuch- und Standesamt-Eintragungen lässt sich dies nicht bestätigen. Allerdings ergibt sich aus diesen Unterlagen, dass Dr. Eitels Mutter ein uneheliches Kind war, ihr Vater wird in den Urkunden nicht genannt. Dr. Eitels mütterlicher Großvater, dessen Name unbekannt ist, könnte also jüdischer Abstammung gewesen sein.

Fink besuchte das Wilhelms Realgymnasium Stuttgart, Abitur 1908. Studierte Medizin, in Tübingen 5, Kiel 2, Freiburg 1, München 1, Kiel 2 Semester.  Approbation 1.8.1914. Dissertations-Colloquium am 11.8.1914.  Med.Dissertation an der Universität Kiel bei Prof. Lüthje vom 12.11.1914: “Ein Beitrag zur Hernia funiculi umbicalis”. (gedruckt Kiel 1914, 20 S.) Von August 1914 bis Ende 1918 sehr wahrscheinlich Teilnahme am 1.Weltkrieg als Militärarzt. Kam 1919 nach Hamburg, zunächst Assistent an einem Krankenhaus, dann niedergelassener praktischer Arzt. Erste Heirat, ein Sohn aus dieser Ehe. 1921 lebt das Ehepaar bereits getrennt.  Dr.Fink wohnt 1921 am Schwanenwyk und hat seine Praxis in der Heinrich-Hertz-Str. 7 a.  Am 24.8.1921 kommt es zu einem Konflikt mit einer Patientin, Frau Klara Fründt, Ehefrau eines Hafenarbeiters. So weit bekannt hatte Fink mit ihr eine kurze Liaison gehabt, die er beenden wollte. Anscheinend  beabsichtigte sie nun, ihn  irgendwie zu erpressen. Sie sucht ihn in seiner Wohnung  auf und bedroht ihn mit einem Dolch. In dem anschließenden Handgemenge ersticht Dr. Fink die Frau. Er flieht unter dem falschen Namen Walter Kucharski in die Tschecho-slowakei, wird später dort aufgespürt und festgenommen, kann aber wieder entkommen. Die steckbriefliche Personalbeschreibung der Hamburger Polizei lautet: ,,Dr. Fink ist etwa 1,75 bis 1,78 m groß, schlank,  schmächtig, kurz geschorenes, dunkles Haar, vorn an der Stirn etwas gelichtet, länglich schmales Gesicht mit eingefallenen Backen von gelblich brauner Farbe, dunkle Augen, stechender Blick, glattrasiert, früher Anflug von dunkelblondem Schnurrbart, etwas gebogene Nase (Hakennase)”.

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