Kropff, Hans von (1879 – 1914), Redakteur

Hans Walter Reimund von Kropff wurde * in Erfurt 15.2.1879 als Sohn des Oberstleutnants z.D. Richard von Kropff, Herr auf Kalgen bei Königsberg i.Pr., und der Berta Andersch.

Er kam als Leutnant a.D. im Jahre 1904 nach Tsingtau als der erste verantwortliche Redakteur der Tageszeitung „Tsingtauer Neueste Nachrichten“, die ihr Erscheinen am 1.11.1904 begann. Sie war gegründet worden von Carl Fink, dem Herausgeber der Shanghaier Wochenzeitung „Der Ostasiatische Lloyd“.   Kropff war von Nov. 1904 bis 26.6. 1908 der verantwortliche Redakteur der TNN.   Nach seinem Ausscheiden beschloss Kropff, und die hinter ihm stehende Lobby, wieder eine Wochenzeitung in Tsingtau zu gründen. Eine solche hatte es schon einmal gegeben, von Nov. 1898 bis Dez. 1904, die „Deutsch-Asiatische Warte“. Sie erlag dann im Dez. 1904 der neuen Tageszeitung „Tsingtauer Neueste Nachrichten“.   Kropff als Herausgeber nannte seine Wochenzeitung „Kiautschou-Post“, das erste Exemplar erschien am 10.10.1908, gedruckt bei Adolf Haupt. Insgesamt sind 5 Jahrgänge erschienen, bis zum 31.12.1912.   Der seit 26.6. 1908 neue Mitherausgeber und verantwortliche Redakteur der TNN, J.G. Walther, scheint nicht zurechtgekommen zu sein, so dass Fink und J.G.Walther die TNN für 6000.- $ am 1.1.1911 an Kropff verkaufte. Walthers bisheriger Mitarbeiter, Fritz Secker jun., trat zum Ostasiatischen Lloyd in Shanghai über. Vom 1.1.1911 bis 31.12.1912 war Kropff gleichzeitig Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der TNN und der Kiautschou-Post. Anfang 1913 verkaufte Kropff die TNN an den Chefredakteur der „Weimarischen Zeitung“ Dr. Gerhard Menz in Weimar und fuhr am 24.3. ab nach Deutschland (über Sibirien). Menz traf am 31.3. in Tsingtau ein. (siehe Einzelbiographie). 1914 erschien von Kropff das kleine Heftchen: „Deutsche Soldaten in Kiautschou“, Leipzig 1914, 32 Seiten. Es sollte die Rekruten, die jährlich von Cuxhaven aus zur Ablösung eines Teiles der Mannschaft des 3. Seebataillons nach Tsingtau geschickt wurden, auf die Stadt und was sie bietet vorbereiten. Außerdem engagierte er sich in der Debatte um die Boden- und Steuerordnung Tsingtaus, die Schrameier 1898 etabliert hatte und die bis zum Schluss, 1914, unverändert durchgehalten wurde, mit dem Aufsatz: „Eine Neue Landordnung für Kiautschou“ in: Um Grund und Boden, Vierteljahreshefte des Schutzverbandes für Deutschen Grundbesitz. –   Berlin 1914, II. Band, S. 81-87.

Im Laufe des Jahres 1914 verlobte er sich mit Helene Hauschild (* in Magdeburg 5.1.1891). Als am 1.8.1914 der Krieg begann, heirateten die Beiden am 3.8.1914 und anschließend musste Hans als Leutnant und Kompanieführer im Landwehr-Infanterie Regiment Nr. 4 ins Feld ziehen. Er kämpfte gegen die in Ostpreußen eindringenden Russen und wurde am 18.8.1914 bei Kraupischken verwundet. Im Lazarett in Königsberg i.Pr. starb er am 3.9.1914 an den Folgen der Verwundung, 35 Jahre alt.

 

 

 

Sander, Hermann (1884 – 1960), Lehrer an der DCH

Hermann Sander wurde in Stolberg geboren am 2.9.1884. Er erhielt eine Ausbildung als Volksschullehrer. Im Sept. 1911 kam er mit seiner Frau Bertha, geb. Jenny, nach Tsingtau als Lehrer an der Unterstufe der Deutsch-Chinesischen Hochschule. Die 6jährige Unterstufe entsprach ungefähr den Jahrgängen eines Gymnasiums. Den chinesischen Schülern musste in der Hauptsache Deutsch beigebracht werden, aber sie erhielten auch Unterricht in allgemeiner Geschichte und Geographie, Mathematik, Biologie, Physik und Chemie. Offensichtlich wurde Sander hauptsächlich auf den Deutschunterricht angesetzt, denn er publizierte 1913-14 zwei entsprechende Lehrbücher. 1913 erschien „Deutsches Lesebuch für Deutsch-Chinesische Schulen“, I. Band. Es enthält rund 100 deutsche Texte, z.T. in Frakturschrift, z.T. in lateinischer Schrift. Rund 150 Seiten. Dazu ein kleines Heftchen (nur 19 Seiten) mit dem Titel: Erläuterungen, bearbeitet von der Übersetzungsanstalt der D.C.H. Tsingtau. Diese Erläuterungen sind z.T. auf Chinesisch. – 1914 erschien dann der II. Band (3. Schuljahr) des Lesebuchs für Deutsch-Chinesische Schulen, mit 96 Texten auf 152 Seiten. Dazu gab es auch wieder ein Heftchen mit Erläuterungen durch die Übersetzungsanstalt.

Sander kaufte sich sehr rasch ein Grundstück in der Nähe der Hochschule und baute sich ein Haus dort. Es hatte (nach der neuen Zählung ab 1.1.1914) die Adresse: Kaiser-Wilhelm-Ufer 73. Dem Paar wurde am 19.7.1912 die Tochter Ursula geboren.

Als der Krieg mit Japan begann, diente Sander bei der Verteidigung als Vizefeldwebel der Reserve in der 1. Kompanie des III. Seebataillons. Dementsprechend kam er in japanische Kriegsgefangenschaft, war zunächst im Lager Osaka, dann in Ninoshima. Frau Sander blieb mit Tochter Ursula von 1914 bis 1920 in Tsingtau und zog dann nach Wusung zu ihrem Mann, der nach Kriegsende an die dortige deutsch-chinesische Tongji-Universität gegangen war. Wieder war er an der Unterstufe, der sog. Mittelschule, als Deutschlehrer tätig. 1922 erschien in erster Auflage: „Kurzgefasstes Lehrbuch der Deutschen Sprache für Chinesen“, von H. Sander, Tung Chi Hochschule, Wusung. 137 Seiten. Gedruckt von der Missionsdruckerei in Yenchowfu. Im Frühjahr 1924 erschien die erheblich verbesserte 2. Auflage. Dieser Band erlebte viele Auflagen, 1929 kam die 15., 1931 die 16. Auflage heraus. Außerdem scheint es wieder ein Deutsches Lesebuch für Chinesen gegeben zu haben, mit einem Begleitheft: „Erläuterungen“. Von dem Begleitheft ist ein Exemplar bezeugt (2. Aufl., Wusung 1925, 38 Seiten). Außerdem hat er ein „Deutsch-Chinesisches Übungsbuch für Lehrer“ publiziert. Sander war bis April 1929 an der Tongji Universität tätig und verließ am 17.5.1929 die Stadt.

Der weitere Aufenthalt ist nicht bekannt.

Im Adressbuch der Deutschen Ostasiens 1956 wird als seine Adresse angegeben:

Hermann Sander, Reg. Lehrer i.R., Heumadener Str. 199, Stuttgart-Lederberg. Herr Sander ist am 04.09.1960 gestorben. Frau Bertha Sander (* 1892) starb am 24.3.1980.

 

 

 

 

 

 

 

Geschichte des Internationalen Friedhofs in Tsingtau (1899 bis 1966)

Im Jahre 1959 verfasst von D. Dr. Wilhelm Seufert, Pfarrer i.R.

Mit Ergänzungen durch Dr. Wilhelm Matzat

Wir befinden uns im Jahr 2014. Viele Veranstaltungen und Publikationen werden in diesem

Jahr einem Geschehen gewidmet sein, das vor 100 Jahren sich ereignete: der Begin des 1. Weltkrieges, der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, wie ein Historiker ihn genannt hat. Auch in der Geschichte Tsingtaus brachte das Jahr 1914 eine markante Zäsur: die Kriegserklärung Japans an das Deutsche Reich und die daraus folgende Belagerung und Eroberung Tsingtaus. Über 4000 deutsche und österreichische  Männer hatten vergeblich versucht, die Stadt gegen den Angriff zu verteidigen. Rund 200 deutsche Männer sind gefallen, sie wurden auf dem deutschen Friedhof Tsingtaus in einem geschlossenen Bereich beerdigt. Während die Japaner bald nach 1914 im Forstgarten eine große, hohe „Pagode“ zum Andenken an die japanischen Gefallenen errichteten, hat die deutsche Gemeinde in Tsingtau erst 1930 ein Ehrenmal bei den Kriegsgräbern errichten können. Das japanische Denkmal wurde 1945, sofort nach dem Ende des 2. Weltkrieges, von den Chinesen gesprengt und beseitigt, während das deutsche Ehrenmal und alle Grabsteine des Friedhofes erst 1966 im Zuge der Kulturrevolution abgeräumt wurden. Die deutsche Seite, vor allem der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., hat nach 1966 immer wieder einmal an die chinesische Seite die Anfrage geschickt, ob nicht doch ein Gedenkstein bei den Kriegsgräbern von 1914  errichtet werden könnte. Diese Frage ist natürlich besonders im jetzigen  Gedenkjahr 2014 virulent. Sehr wahrscheinlich wird die chinesische Seite bei ihrer bisherigen Ablehnung bleiben.

            Auf jeden Fall möchte ich hiermit eine Geschichte des Internationalen Friedhofs von Tsingtau veröffentlichen, die Dr. Wilhelm Seufert im Jahre 1959 maschinenschriftlich festgehalten hat.

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Hinzpeter, Hermann

Hinzpeter, Hermann (1884 – 196), Postsekretär

(Die Biographie wurde aufgeschrieben von seiner Enkelin Regine Oswald.)

Mein Großvater, Herrmann Hinzpeter, wurde am 10. August 1884 in Güstrow/Mecklenburg als Sohn eines Eisenbahnsekretärs geboren. Nach Abitur, Einjährig-Freiwilligem (Militärdienst) und Ausbildung zum Postbeamten besucht er im Wintersemester 1908/09 zusammen mit Max Albrecht („Mäxchen“) Schmidt (späterer Kollege in Tsingtau) das Orientalische Seminar in Berlin zur Vorbereitung seines Auslandseinsatzes.

Mein Großvater fuhr im Februar 1909 mit der sibirischen Eisenbahn und dann mit dem Schiff nach Tsingtau, wo er am 05. März 1909 eintraf. Er war im Kaiserlichen Deutschen Postamt   als Postbeamter tätig. Dort lernte er auch seinen Kollegen August Börter kennen. Im nächsten Jahr (1910) baute er zusammen mit Postinspektor Ludwig Schulz ein Wochenendhaus im Lauschan: Die Villa Hinzpeter bzw. wie es in meiner Familie hieß: Villa Bergfrieden.

Er war sehr an Land und Leuten interessiert und unternahm von Tsingtau aus in seiner freien Zeit viele Reisen. Weiterlesen

Wagner, Dr.phil. Wilhelm (1886 – ?) Landwirtschaftslehrer

Wilhelm Wagner wurde am 27.09.1886 geboren zu Oelsberg bei Nastätten, Kreis  St.Goarshausen, als Sohn des Bauunternehmers Philipp Wagner und der Katharina, geb. Schmidt. Er besuchte die Oberrealschule in Wiesbaden bis zum Abitur 1906. Vom WS 1907/08 bis zum SS 1910 absolvierte er in Bonn ein Studium im Fach Landwirtschaft an der landwirtschaftlichen Akademie und im Fach Nationalökonomie an der Universität Bonn. Im Juni 1910 bestand er das Examen für Landwirtschaftslehrer und promovierte am 23.11.1910 zum Dr.phil. im Fach Landwirtschaft mit der Arbeit: „Die Entwicklung des Rinderkörpers von der Geburt bis zum Abschluss des Körperwachstums“ (gedruckt Hannover 1910).

Im Januar 1911 (Wagner war erst 24 Jahre alt) wurde er vom Reichs-Marine-Amt als Dozent für Landwirtschaft an die Deutsch-Chinesische Hochschule in Tsingtau berufen. Diese war im Oktober 1909 gegründet worden, zunächst mit einer technisch-naturwissenschaft-lichen und einer juristisch-staatswissenschaftlichen Abteilung. Sein Auftrag war, der Hochschule eine land- und forstwirtschaftliche Abteilung anzugliedern. Wagner, der am  31.03.1911 in Tsingtau eingetroffen war,  stürzte sich mit jugendlichem Elan auf diese Aufgabe und bis 1914 war der Aufbau mehr oder weniger geschafft. Seine eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen aus der Zeit seiner Tätigkeit dort legte er nieder in der von ihm herausgegebenen Schriftenfolge: „Berichte aus der land- und forstwirtschaftlichen Abteilung der Deutsch-Chinesischen Hochschule“. Fünf Hefte sind bis Juli 1914 erschienen (ich besitze die ersten 4 Hefte).

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Cordes, Heinrich (1866 -1927), Dolmetscher und Bankdirektor

Geboren in Lübbecke/Westf.  5.3.1866, evangel. –  Gestorben in Breslau am 5.7.1927Eltern: Carl Cordes,  Gerichtssekretär am Landgericht in Bielefeld, u.Marie, geb. Schuster.

Heinrich besuchte die Bürgerschulen in Lübbecke, dann in Halle/Westf., später das Realgymnasium in Bielefeld, wo er das Abitur 1886 absolvierte. Daraufhin Militärdienst als Einjähriger vom 1.4.1886 bis 1.4.1887, schließt diesen ab als Vizefeldwebel d.R., erhält später den Rang als Leutnant d.R. Beginnt Ostern 1887 an der Universität Berlin das Studium der Philologie, wechselt aber nach einem Semester über zum Jura-Studium. Gleichzeitig tritt er am Seminar für Orientalische Sprachen in die Chinesischklasse ein und absolviert erfolgreich am 24.7.1890 die Diplomprüfung für Chinesisch. Am 26.2.1892 besteht er die erste juristische Staatsprüfung und wird ab 31.3.1892 als Gerichtsreferendar angestellt. Einige Wochen vorher hatte er an das Auswärtige Amt den Antrag gestellt, in den auswärtigen Dienst übernommen zu werden. Am 24.8.1892 teilt das AA ihm mit, dass er als Dolmetscheraspirant nach Peking gehen kann. Im deutschen Auswärtigen Dienst gab es damals noch drei streng geteilte Lauf-bahnen: den diplomatischen, konsularischen und Dolmetscher-Dienst. Ein Dolmetschereleve mußte sich für 10 Jahre verpflichten. Danach bestand eventuell die Möglichkeit, in den konsularischen Dienst übernommen zu werden. Hierfür mußte man sich einer sog. Konsulats-prüfung unterziehen. Sie bestand in der Anfertigung zweier schriftlicher Arbeiten, einer „wissenschaftlichen“ und einer „praktischen“, die letztere mußte in Englisch oder Französisch geschrieben werden. Fielen die Arbeiten nicht so gut aus, erfolgte noch eine mündliche Prüfung.

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Eitel, Fritz (1889 – 1968), Arzt (geb. als Karl Fink)

Dr. Fritz Eitel wurde unter dem Namen Karl Friedrich Fink am 15.12.1889 in Nagold geboren, als Sohn des dortigen Königl. Steuerwächters Karl Michael Wolfgang Fink (evangel.) und der Katharine Margarethe, geb. Heß (evangel.). Die Taufe fand am 29.12.1889 statt.  Dr. Eitel hat nach dem 2. Weltkrieg zu erkennen gegeben, dass er auch jüdische Vorfahren hat. Aus den Kirchenbuch- und Standesamt-Eintragungen lässt sich dies nicht bestätigen. Allerdings ergibt sich aus diesen Unterlagen, dass Dr. Eitels Mutter ein uneheliches Kind war, ihr Vater wird in den Urkunden nicht genannt. Dr. Eitels mütterlicher Großvater, dessen Name unbekannt ist, könnte also jüdischer Abstammung gewesen sein.

Fink besuchte das Wilhelms Realgymnasium Stuttgart, Abitur 1908. Studierte Medizin, in Tübingen 5, Kiel 2, Freiburg 1, München 1, Kiel 2 Semester.  Approbation 1.8.1914. Dissertations-Colloquium am 11.8.1914.  Med.Dissertation an der Universität Kiel bei Prof. Lüthje vom 12.11.1914: “Ein Beitrag zur Hernia funiculi umbicalis”. (gedruckt Kiel 1914, 20 S.) Von August 1914 bis Ende 1918 sehr wahrscheinlich Teilnahme am 1.Weltkrieg als Militärarzt. Kam 1919 nach Hamburg, zunächst Assistent an einem Krankenhaus, dann niedergelassener praktischer Arzt. Erste Heirat, ein Sohn aus dieser Ehe. 1921 lebt das Ehepaar bereits getrennt.  Dr.Fink wohnt 1921 am Schwanenwyk und hat seine Praxis in der Heinrich-Hertz-Str. 7 a.  Am 24.8.1921 kommt es zu einem Konflikt mit einer Patientin, Frau Klara Fründt, Ehefrau eines Hafenarbeiters. So weit bekannt hatte Fink mit ihr eine kurze Liaison gehabt, die er beenden wollte. Anscheinend  beabsichtigte sie nun, ihn  irgendwie zu erpressen. Sie sucht ihn in seiner Wohnung  auf und bedroht ihn mit einem Dolch. In dem anschließenden Handgemenge ersticht Dr. Fink die Frau. Er flieht unter dem falschen Namen Walter Kucharski in die Tschecho-slowakei, wird später dort aufgespürt und festgenommen, kann aber wieder entkommen. Die steckbriefliche Personalbeschreibung der Hamburger Polizei lautet: ,,Dr. Fink ist etwa 1,75 bis 1,78 m groß, schlank,  schmächtig, kurz geschorenes, dunkles Haar, vorn an der Stirn etwas gelichtet, länglich schmales Gesicht mit eingefallenen Backen von gelblich brauner Farbe, dunkle Augen, stechender Blick, glattrasiert, früher Anflug von dunkelblondem Schnurrbart, etwas gebogene Nase (Hakennase)”.

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Schnock, Friedrich (1871 – 1937), Ingenieur

Friedrich Schnock wurde am 18.09.1871 in Kiel geboren. Er absolvierte eine Ingenieur-Fachhochschule mit summa cum laude. 1899 wurde er von der Firma C. Vering engagiert für den Bau eines Großen Hafens in Tsingtau, als zweiter Wasserbauingenieur neben dem Chefingenieur John Stickforth. 1904 wurde Mole I, 1905 die Mole II fertig gestellt. Er war nicht verheiratet und residierte in einem neu gebauten Wohnhaus in der Nähe des Hafengeländes. 1907 beendete er seine Tätigkeit in Tsingtau und ging nach Südchina. In Kanton erhielt er den Auftrag, einen Stadtplan im großen Maßstab 1:5000 herzustellen. Dieser wurde 1907 im Justus Perthes Verlag in Gotha gedruckt mit dem Titel: „Canton with Suburbs and Honam – Surveyed by Mr. F. Schnock, Engineer“.   Die Karte hat Beschriftungen in Englisch und Chinesisch.

Laut Familienüberlieferung war Schnock in weiteren Städten Chinas tätig. In Shanghai lässt er sich von 1911 bis 1919 nachweisen, wo er eine Baufirma gründete. Das Geschäftslokal lag im International Settlement im Stadtteil Hongqiao, 8 Wayside Inn.  Die Firma hatte vier deutsche Angestellte: Ludwig Euler, Louis Torbohm, Georg Dalles und Georg Pfluger (Bauführer).  Alle vier verlor er durch den Beginn des 1. Weltkrieges. Sie mussten zum Wehrdienst nach Tsingtau sich begeben, wo sie, nach Eroberung der Stadt, in japanische Kriegsgefangenschaft gerieten. Schnock blieb in Shanghai bis zur Zwangsrepatriierung nach Deutschland im Frühjahr 1919.

(Die Angaben zu Kanton und Shanghai verdanke ich Herrn Harald Richter, dem an dieser Stelle dafür gedankt sei.)

Im Jahre 1920, während einer Bahnfahrt, 1. Klasse, von Berlin nach Hildesheim, lernte er Charlotte N.N. (aus Berlin) kennen und stellte ihr spontan einen Heiratsantrag, den sie annahm. Er war nun 49 Jahre alt, sie 23 Jahre (* 28.04.1897, sehr wahrscheinlich in Berlin). Damit  seine Frau (genannt Lotti) Ostasien kennenlernt, machte er mit ihr eine Hochzeitsreise auf einem englischen Schiff nach China und wieder zurück.

Schnock war damals offensichtlich in Neustrelitz beschäftigt. Hier wurde 1921 der Sohn Herbert und 1923 der Sohn Detlev geboren, letzterer wurde aber nur 6 Wochen alt. 1924 beschloss Schnock, nach China zurückzukehren. Mit Frau und Kind ließ er sich als Zivil-ingenieur in Tsingtau nieder, wo 1925 die Tochter Christa geboren wurde. Offensichtlich lebte er von wechselnden Aufträgen, war u.a. Vertreter der Shanghaier Baufirma Yao Ling Kee,   oder eine Zeitlang bei der Tobacco Development Co. beschäftigt. Ab Februar 1927 war er „consultant engineer“ beim Tsingtauer Hafenamt.  Auch die chinesische Stadtverwaltung setzte ihn bei bestimmten Projekten ein, z.B. bei der Erweiterung der Tsingtau Brücke, an deren Spitze ein Pavillon im chinesischen Stil hingesetzt wurde.  Als 1933-34 das neue Luxushotel „Edgewater Mansion“ auf der Halbinsel Hui Quan Huk am Badestrand Tsingtaus errichtet wurde, baute Schnock die dazu gehörigen Kaianlagen.

Aber 1935 entschied sich Schnock, nun 64 Jahre alt, mit Familie nach Deutschland zurückzukehren. Dort ergab sich für ihn sehr bald die Notwendigkeit, aus vermögens-rechtlichen Gründen noch einmal nach Tsingtau zu fahren. Er tat dies bereits Ende 1935.   Dort ist Friedrich Schnock am 28.12.1937 gestorben, wahrscheinlich durch einen Herzinfarkt. Er wurde auf dem Internationalen Friedhof Tsingtaus beigesetzt.

Troschel, Ernst (1868 – 1915), Marine-Oberbaurat

Geboren  in Stargard / Pommern 8.4.1868, gefallen in Flandern 1915 als Oberstleutnant.

Marine-Hafenbaumeister Troschel übernahm 4.9.1903 Leitung der Bauabteilung I (Hafenbau)  in Tsingtau. Blieb dort bis 1905. Sein unmittelbarer Chef während dieser Zeit war Baudirektor Julius Rollmann.  1905 entwarf Troschel für Wilhelmshaven die Kaiser-Wilhelm-Brücke. Sie war damals die größte europäische Doppeldrehbrücke. Ausgeführt wurde sie zwischen 1905 und 1907 durch die Firma MAN Nürnberg. (Die Brücke weist viele Schäden auf und wird z.Zt. für viele Millionen EURO saniert. Im Jahr 2012 soll die Sanierung beendet sein. Sie ist nach wie vor die größte deutsche Drehbrücke) Auch baute Troschel den Hafen von Tanger. Nach der Verabschiedung aus der Kaiserlichen Marine war er Direktor bei den Rütgers-werken in Berlin. Gab  das „Handbuch der Holzkonservierung“ heraus. Bei der Mobil-machung 1914 wurde er zum Heeresdienst einberufen. Er fiel 1915 bei den Kämpfen in Flandern.

Ernst Troschel heiratete um 1895 die Medizinstudentin Elise Schulz aus Köslin / Pommern. 1898 promovierte sie in Bern. 1902 wurde sie die erste Ärztin in Deutschland mit dem Staats-examen einer deutschen Universität. Dem Ehepaar Ernst und Elise Troschel wurden 7 Kinder geboren. Während des Tsingtau Aufenthaltes kamen zur Welt Wiegand (* 11.2.1904) und Tsing-Ming Gerda (* 20.9.1905). Frau Dr. Troschel unterhielt in Tsingtau eine private ärztliche Praxis. (Sie ist geboren 1869, gestorben 1952. 1949 verfasste sie ihre Auto-biographie mit dem Titel: „50 Jahre Dr.med.“  Der Text wurde 1996 gedruckt.)

Der Sohn Hans, * 1899, wurde Kunsterzieher, Maler und Schriftsteller. Buch: „Der See  der Milane“. – Das grüne Dreieck mit der schwarzen Flugbildzeichnung eines schwebenden Seeadlers für Naturschutzgebiete stammt von Troschel. Seit der Wende (1990) ist es durch die Eule ersetzt worden.  – Er starb 13.3.1979 in Oldenburg.  (Quelle: Wilhelmshavener Heimatlexikon 1986, hrsgb. von Werner Brune)

Juchheim, Carl (1886 – 1945), Bäcker und Konditor, und Elise Juchheim (1892-1971)

Eine biographische Skizze, zusammengestellt von Wilhelm Matzat

Zur Biographie von Carl und Elise Juchheim erschien 1964 auf japanisch die „Geschichte der Juchheim’s Konditorei“, verfasst von Ichijiro Etajima.  Hauptquelle waren die Erzählungen von Frau Elise Juchheim gewesen, viele Interviews mit ihr waren auf Tonband festgehalten worden. Offensichtlich wurde japanischerseits auch eine deutsche Übersetzung angefertigt. Da sie wohl Schwächen aufwies, wurde Frau Dorothea Heinze von der Firma beauftragt, eine Neufassung in korrekterem Deutsch zu erstellen. 1976 erschien sie in Japan als Privatdruck in maschinen-schriftlicher Fassung mit dem Titel: „Dennoch bleibe ich standhaft. Geschichte der Konditorei Juchheim’s“. 51 Seiten, mit einem Foto von Elise Juchheim auf dem Titelblatt.   In demselben Jahr 1976,  anlässlichder Eröffnung eines Café Juchheim in Frankfurt/Main, wurde dort eine zweite deutsche Übersetzung des Etajima Textes herausgebracht, diesmal übertragen von Prof. Nakaba Terakawa. Der Titel: „Juchheim’s Konditorei zwischen zwei Kontinenten“. 36 Seiten.  Beide Texte bringen auch die Weiterentwicklung der Firma Juch-heim von 1964 bis 1976. Weiterlesen