Matzat, Dorothea – geb. Werdermann (1893-1946)

Zusammengestellt für die Festschrift zum 100jährige Jubiläum der „Evangelischen Fachhochschule Berlin“ im Sommer 2004.

Geboren am 21. Juli 1893 in Friedersdorf bei Doberlug in der Niederlausitz als Tochter des Pfarrers Ferdinand Werdermann und seiner Ehefrau Hedwig, geb. Hecker.
Ab dem 6. Lebensjahr Besuch der Volksschule in Friedersdorf, dann ab 1905 zusammen mit der 2 Jahre jüngeren Schwester Unterricht durch eine Hauslehrerin. Als diese Schwester 1908, nur 13jährig, starb, kam Dorothea auf eine kleine Privatschule für Mädchen in dem Dorf Gramzow in der Uckermark, die von 2 alten Damen geleitet wurde. Diese Schule führte nur bis zum Abschluß der Mittleren Reife. Im Sommer 1910 beendete Dorothea ihren Aufenthalt dort. Als einzige Fremdsprache hatte sie, schon bei der Privatlehrerin und dann in Gramzow, etwas Französisch gelernt.
Da Ihr Vater gegen Ende des Jahres 1910 die Pfarrstelle gewechselt hatte und nun Pfarrer in Kraatz bei Gransee wurde, war Dorotheas Heimatort nun dieses Dörfchen Kraatz. In den Jahren 1911 bis Sommer 1914 hat sie einerseits oft und viel im gastfreundlichen elterlichen Pfarrhaus ausgeholfen – beim Essen waren meistens 10-12 Personen anwesend – aber auch sich darum bemüht, praktische Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben. In der 4 km entfernten Kleinstadt Gransee nahm sie Nähstunden und lernte das Buchbinden. 1912 absolvierte sie einen Kurs an der Frauenschule in Stettin und schloß ihn ab mit dem einfachen Haushaltungsexamen. In Halle nahm sie an einem Lehrgang in Putzmacherei teil.
Mit Ausbruch des Krieges im August 1914 trat sie in den Evangelischen Diakonie-verein e.V. ein (das Heimathaus war in Zehlendorf) und erlernte am Altstädtischen Kranken-haus in Magdeburg die Krankenpflege. Nachdem sie dort am 20.7.1915 das staatliche (Not-) Krankenpflegeexamen mit der Note „sehr gut“ gemacht hatte, war sie bis zum Kriegsende in verschiedenen Lazaretten tätig. Zunächst in Arnstadt in Thüringen, dann ab 1917 in Berlin-Hasenheide im Lazarett „Neue Welt“, ab 1918 in einem Barackenlazarett in Berlin-Tempelhof. Mit Kriegsende kehrte sie zu ihren Eltern in Kraatz zurück. Im Sommer 1919 lernte sie bei einem Schuhmacher in Gransee das Schustern. Vom 14.10.1919 bis zum 31. Juli 1920 besuchte sie in Berlin die Oberstufe der Frauenschule der Inneren Mission, um sich in die Aufgaben der sozialen Arbeit einführen zu lassen. Die Schule befand sich damals unweit des Nollendorfplatzes in Berlin-Schöneberg, Motzstraße 11 (später umnummeriert in 14). Vor der Prüfungskommission des Evangelischen Konsistoriums der Mark Brandenburg bestand sie am 26.7.1920 die Prüfung für Katechetinnen mit der Note „gut“. Damit erwarb sie die Berechtigung, evangelischen Religionsunterricht im Auftrage der Landeskirche für die Volksschulstufe zu erteilen. (Die damalige Frauenschule der Inneren Mission nennt sich heute Evangelische Fachhochschule Berlin. Sie feierte 2004 ihr 100jähriges Bestehen.)
Im Februar 1919 war sie in Gransee dem Missionskandidaten Willy Matzat von der Berliner Missionsgesellschaft begegnet. Ihr Bruder, Lic.theol. Dr.phil. Hermann Werdermann, war 1918 Pfarrer in Gransee geworden und hatte Matzat zu einem Vortrag über die Aufgaben und Ziele der Äußeren Mission eingeladen. Danach blieben Willy Matzat und Dorothea Werdermann per Briefwechsel in Kontakt, und am 14.2.1920 verlobten sich die beiden.
Ende 1920 begab sie sich nach Frankfurt am Main, wo sie vom 30.12.1920 bis 1.3.1921 in der Dr. Christ’schen Entbindungsanstalt die Wochenpflege erlernte. Auf dem Zeugnis steht: „Sie hat sich in der Pflege von Wöchnerinnen und Neugeborenen sehr gute Kenntnisse erworben.“
Ihr Verlobter konnte sich immer noch nicht auf eines der Missionsfelder in Afrika begeben, da die Einreise von Deutschen in die britischen Kolonien noch nicht erlaubt war. Er nahm daraufhin von Juni 1920 bis Januar 1922 die Vertretung einer vakanten Pfarrstelle in Groß-Weißuhnen in seiner Heimatprovinz Ostpreußen an. Als er in das Pfarrhaus zog, war es völlig leer. Er mußte sich erst einmal Bett, Tisch, Stuhl, Schrank usw. selbst zimmern. Endlich ergab sich für ihn die Möglichkeit der Ausreise, aber nicht nach Afrika sondern nach Nordchina auf die Missionsstation Tsimo bei Tsingtau. Das Ungewöhnliche an dieser Aussendung war die Tatsache, daß er seine Braut, als Ehefrau, gleich mitnehmen sollte. Normalerweise pflegte ein Missionar, wenn er zum ersten Male auf sein Missionsfeld geschickt wurde, vor Ort zunächst alleine zu wirken, um sich einzuarbeiten und die Sprache der dortigen Bevölkerung zu erlernen. Die Verlobte durfte in der Regel erst 2 Jahre später nachkommen.
Dorothea und Willy Matzat heirateten im Februar 1922 und reisten im März von Triest aus nach Asien ab. Die Berliner Missionsgesellschaft war zu arm und hatte für die beiden die billigste Transportmöglichkeit auf einem italienischen Frachter gebucht. Die weiblichen und männlichen Passagiere „wohnten“ getrennt in Verschlägen mit einem Vorhang als Tür. Die Waschgelegenheit bestand aus einer Schüssel mit Wasser oben auf Deck im Freien. Die unglaublich strapaziöse Fahrt nach Shanghai durch die Tropen, ohne jegliche Klimaanlage, dauerte fast 2 Monate! Hier stiegen sie um auf einen Dampfer nach Tsingtau. Von dort ging es weiter per Bahn und dann Maulesel-Karren zur ca. 35 km entfernten Kreisstadt Tsimo, vor deren Mauern die Missionsstation lag. Zu der Zeit befand sich auf dieser Station ein einziger deutscher Missionar, Junggeselle und gesundheitlich angeschlagen. Seine Existenz war für die beiden Matzats ganz wichtig, denn sie konnten ja noch kein Wort Chinesisch und benötigten den Kollegen als Dolmetscher gegenüber den Hausangestellten und der christlichen Gemeinde.
Für Dorothea Matzat begann nun ein überaus anstrengendes und arbeitsames Leben: als Ehefrau, als Mutter, als Ärztin, als Sprachschülerin des Chinesischen. Bereits im November 1922 wurde der erste Sohn geboren. (Es folgten bis 1930 noch drei weitere Söhne.) Für die Betreuung der Kinder stand eine Amah zur Verfügung, das Essen wurde von dem chinesischen Koch Hou De-guang zubereitet. Er hat der Familie Matzat vom ersten bis zum letzten Tag gedient, insgesamt 24 Jahre. Da sich herumsprach, daß Frau Matzat eine ausgebildete Krankenpflegerin ist, kamen nun ständig chinesische Frauen und Kinder mit ihren gesundheitlichen Beschwerden zu ihr, die sie ambulant und meist kostenlos behandelte, denn ein Großteil der Bevölkerung war bitterarm. Moderne hygienische Kenntnisse besaß die damalige chinesische Landbevölkerung noch nicht. Deshalb waren Krätze, Ekzeme, Abszesse und Augenkrankheiten (Trachome) weit verbreitet. Außerdem förderten Läuse, Flöhe, Wanzen, Moskitos und Fliegen die Übertragung von Krankheitserregern. Für Dorothea Matzat, und indirekt auch für ihren Mann, hatte diese Patientenbetreuung einen überaus positiven Aspekt. Es ergab sich so ein ganz unbefangener erster Kontakt mit Teilen der chinesischen Einwohner.
Acht Jahre lang, von 1922 bis 1930, war Dorothea Matzat in dieses eben beschriebene Tätigkeitsfeld eingespannt. Der Missionarskollege starb bereits im Herbst 1923, so daß das Ehepaar Matzat nun ganz auf sich gestellt in diesem fremdländischen Umfeld wirken mußte. Ab 1.1.1925 gab es einen entscheidenden Wechsel in der finanziellen Grundlage der missionarischen Tätigkeit. Die Berliner Missionsgesellschaft hatte durch die Inflation von 1923 und die totale Geldentwertung starke Einbußen ihres Stiftungsvermögens erlitten und konnte deshalb nicht mehr alle Missionsfelder in Afrika und China halten. Das Feld in Nordchina mit den Stationen Tsingtau, Tsimo und Kiautschou trat sie an die Unierte Lutherische Kirche der USA ab. Die deutschen Missionare und Missionsschwestern wurden von der amerikanischen Missionsgesellschaft übernommen, denn sie waren eingearbeitet und beherrschten die chinesische Sprache. Die neu hinzugekommenen amerikanischen Missionare mussten sich diese erst einmal aneignen. Die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen bedeutete für Dorothea, daß sie eine weitere Fremdsprache erlernen mußte: Englisch. Für ihre „ärztliche“ Tätigkeit sprudelten nun reichere finanzielle Quellen, und sie konnte ihren Bestand an pharmazeutischen Mitteln erheblich aufstocken.
In den Wintermonaten Januar und Februar 1927 durfte das Ehepaar Matzat sich in Peking aufhalten und dort auf der Sprachschule die Chinesischkenntnisse erweitern. Von Sommer 1928 bis Sommer 1929 verbrachte die Familie Matzat (mit den 3 Söhnen) den Jahresurlaub in Deutschland. Dorothea absolvierte in einer Berliner Apotheke ein Praktikum, um ihre Pharmaziekenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen. Die Rückreise nach China ging über die USA und Japan.
Ein schwerer Schicksalsschlag veränderte dann völlig Dorotheas Lebenssituation: ihr Mann starb plötzlich und unerwartet im September 1930. Sie war hochschwanger, im Oktober wurde ihr vierter Sohn geboren. Damit war die Aufenthaltsmöglichkeit in Tsimo beendet. Normalerweise hätte sie nach Deutschland zurückkehren müssen. Die amerikanischen Kollegen hatten aber Dorotheas Qualitäten, ihre Energie, ihre Glaubensstärke zu schätzen gelernt und plädierten bei der Missionsleitung in den USA dafür, sie im Missionsdienst unter den chinesischen Frauen einzusetzen. Die Direktion stimmte zu. 1931 zog die Familie Matzat nach Tsingtau um; dort konnten die älteren Söhne die deutsche Schule besuchen.
Dorothea Matzat war nun eine alleinstehende, voll berufstätige Mutter mit 4 kleinen Söhnen. Möglich war dies nur durch die Mithilfe der chinesischen Angestellten: eine Amah für die Kinderaufsicht nebst Wäschewaschen und Bügeln, der Koch für das Einkaufen und die Essenszubereitung, der Boy für die Hausreinigung, Betreuung der Ziegen und des Gartens etc. Dorothea hat immer wieder betont, daß ohne die Treue und den Einsatz des Koches De Guang sie die ihr gestellten Aufgaben nicht hätte bewältigen können. Hatte in der Tsimoer Zeit der Akzent ihrer Beziehungen zu den Chinesen auf „missionsärztlichem“ Gebiet gelegen, so kam nun in ihrer Tsingtauer Periode (1931-1946) bei der Evangelisationsarbeit unter chinesischen Frauen das zum Tragen, was sie auf der Frauenschule der Inneren Mission (Vorgängerin der jetzigen Evangelischen Fachhochschule Berlin) gelernt hatte: Praktische Katechese. Zusammen mit einer sog. Bibelfrau, also einer chinesischen Katechetin, besuchte sie Christenfamilien, Taufbewerber und auch Nichtchristen, oder sprach auf Frauenversammlungen. Darüber hinaus mußte sie zweimal im Monat Außenstationen im Umland aufsuchen. Die Mehrzahl erreichte sie mit dem öffentlichen Bus. Zwei Orte lagen sogar auf der anderen Seite der Kiautschou-Bucht, die nur per Segelboot (dort Sampan genannt) zu erreichen waren, so daß je nach Windverhältnissen die Überfahrt 2 oder auch 12 Stunden dauern konnte.
Im März 1946 wurde Dorothea Matzat in Tsingtau abends bei Dunkelheit, sie war auf dem Wege zu Bekannten, von einem Auto erfaßt und kam dadurch ums Leben.

Short history of the „Prinz Heinrich Hotel“ in Qingdao

Compiled by Wilhelm Matzat

When the Jiaozhou Leased Territory had been established on March 6 th 1898, the street plan of the future city was published on Sept. 2 nd 1898 and in October the first parcels were auctioned. The real estate was acquired by the buyers as full property. Among the buyers was a German merchant in Shanghai with the name Philipp Lieder. He had decided, to build a first class hotel for the city of Qingdao, which was now going to be built. He bought a parcel in a good position on the Kaiser Wilhelm Ufer (Taiping Lu) directly on the shore of the Yellow Sea. From January till Sept. 1899 the hotel was built, it got the name Prinz Heinrich Hotel, because Prince Heinrich of Prussia, the brother of the German emperor Wilhelm II., was in that year as admiral of a German cruiser squadron stationed in East Asia and often came to Qingdao. We do not know the name of the architect who designed the PH Hotel. We know that the German firm H. Mandl & Co in Shanghai was the contractor. That is not surprising, as Philipp Lieder was co-proprietor of  Mandl & Co. It sent its employee Wilhelm Buschendorff to Qingdao   to supervise the construction activities and the furnishing of the new hotel. It was for its time extremely modern, because the 40 double-rooms had each its own bath and balcony with the view to the open sea.
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Der Streit von 1989 um den Tsingtauer Hauptbahnhof

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Das Bahnhofsgebäude in den 80er Jahren

Zusammengestellt von Wilhelm Matzat, Bonn

Der Anfang des Jahres 1989 brachte ein für Tsingtau bis dato ganz ungewöhnliches Ereignis, die erste öffentliche Diskussion über die Art und Weise, wie in Zukunft mit der deutschen Bausubstanz umgegangen werden soll. Ausgelöst wurde die Debatte durch die Ankündigung, dass das 1900-1901 errichtete Gebäude des Hauptbahnhofes (Architekt Heinrich Hildebrand) abgerissen werden sollte. Angeblich hatte die Stadtverwaltung bereits 1988 diesen Beschluss gefasst aber zunächst geheim gehalten. Man darf aber bezweifeln, ob dieser Plan wirklich von der Stadtverwaltung ausging, denn normalerweise hat diese für die Grundstücke des Militärs und der staatlichen Eisenbahngesellschaft keine Planungshoheit. Die Eisenbahndirektion kann auf ihrem Gelände prinzipiell tun und lassen was sie will. Wie dem auch sei, die Bekanntgabe des geplanten Abrisses löste öffentliche Proteste aus. Als erste protestierte Chinas Zeitung für Umweltschutz (Zhongguo Huanjingbao). Sie veröffentlichte einen Leserbrief des Professors an der Pekinger Kunstakademie, Wang Wenbing, einem gebürtigen Tsingtauer. Dieser führte aus: Der historische Wert des Bahnhofs, eines der ersten Gebäude überhaupt in Tsingtau, sei ebenso groß wie sein kultureller, gerade in einer Stadt, die man auch wegen ihrer vielen Baustile ein „Museum der Architektur“ nenne. Die bauliche Stadtlandschaft habe in der ultralinken Kulturrevolution enormen Schaden erlitten, nun wolle man mit der Zerstörung des Bahnhofs die einstigen Fehler noch potenzieren.

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Missionaries of the American Presbyterian Mission in Tsingtao (Qingdao) 1898 – 1918.

When the Germans occcupied the territory on the east side of the Kiaochow Bay on Nov. 14 th,1897, the American Presbyterian Mission was already since decades well entrenched in Shantung. The fishing village Tsingtao belonged to the county of Tsimo. But there was no foreign mission station in the whole county at that date. In the neighbouring county town Kiaochow (Jiaozhou) the Swedish baptists had settled in 1892.

The missionary John J. Heeren, who was delegated to China in 1910 and in 1911 was stationed in Tsingtao, has published in 1940 a history of the American Preybyterian Mission in Shantung (On the Shantung Front). In this book one gets detailed information also on the history of the Presbyterian mission station at Tsingtao. Already in the autumn of 1898 the Rev. and Mrs. Paul D. Bergen moved from Chefoo to Tsingtao. On Sept. 2 nd, 1898 Tsingtao was declared a free port and one was now able to buy real estate. The development plan for the new town forsaw a quarter for Europeans and a quarter for Chinese businessmen and craftsmen (Dabaodao) and two outlying settlements for Chinese workmen (Taidongzhen and Taixizhen). To the 3 German mission societies (the Catholic Steyl SVD Mission, the protestant Berlin and the Weimar Mission) there compounds were donated by the German administration. The Catholic Mission had the best location: on the border between the European and the Chinese quarter Dabaodao. The compounds of the 2 German protestant missions were adjacent, but lay isolated, in quite a distance to the European quarter and between Dabaodao and Taidongzhen. Nevertheless this was a practical location, because so the compounds were not too far from the Chinese quarters, were the mission work had to be done.
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Menz, Gerhard, Dr.phil. (1885 – 1954), Redakteur und Schuldirektor

Geboren am 10.2.1885 in Kreuzburg/Oberschlesien, als Sohn des Volksschullehrers Heinrich Menz und der Valeska Waegner. Besuchte das Gymnasium in Kreuzburg, Abitur zu Ostern 1904. Studierte auf Lehramt an Gymnasien mit dem Hauptfach Geschichte an den Universitäten Breslau (9 Sem.) und München (2 Sem.). Promotion zum Dr.phil. in Breslau am 16.3.1910. Staatsexamen für das höhere Lehramt 1911. Chefredakteur der konservativen „Weimarischen Zeitung“ 1912. Anfang 1913 kauft er dem Hans von Kropff als Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der Tageszeitung „Tsingtauer Neueste Nachrichten“ dessen Zeitung ab. Am 13.3.1913 heiratet er in Stolzenburg Berta Schwarzwäller, Tochter eines Gutsbesitzers, und fährt mit ihr über Sibirien nach Tsingtau, wo er am 31.3.1913 eintrifft und bis Oktober 1914 Herausgeber und Redakteur der TNN ist. Am 5.10.1914 erschien die letzte Ausgabe der TNN. Da er bei der Verteidigung Tsingtaus im Herbst 1914 nicht beteiligt war, konnte er nach Shanghai ausreisen, wo er von 1915 bis 1919 Direktor der Kaiser-Wilhelm-Schule war.

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Ohlwein, Walter (1909-1973), Kaufmann, Dr. Otto Ohlwein (1906-2002) und Emilie Nauert, geb. Ohlwein (1897-1985)

Walter Ohlwein wurde am 13.7.1909 in Essen geboren als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Ohlwein. Er hatte noch 8 Geschwister, von denen 2 im Kindesalter starben. Er wird nach vierjährigem Volksschulbesuch eine Realschule absolviert haben, mindestens bis zur mittleren Reife. Da seine Eltern 7 Kinder zu versorgen hatten, werden sie nicht allen von ihnen eine höhere Schulbildung haben bieten können. Die Eltern beschlossen deshalb, wenigstens dem ältesten Sohn, Otto, geboren 29.12.1906, eine akademische Laufbahn zu ermöglichen. Er durfte die Humboldt-Oberrealschule in Essen besuchen und schloss 1926 den neunjährigen Aufenthalt dort mit dem Abitur ab. Nach einer zweieinhalb-jährigen Lehrzeit in einem Hamburger Überseehaus studierte er in Hamburg und Köln Volkswirtschaft und bestand 1929 in Hamburg das Diplomvolkswirt-Examen. 1927-28 war er Studentenwelt-meister im Rückenschwimmen gewesen. Im Dezember 1930 promovierte er im Fach Volkswirtschaft mit der Dissertation: „Der Handel in Gewürzen und getrockneten Früchten an der Hamburger Warenbörse“.

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Straßennamen Tsingtau

Straßennamen der Stadt Tsingtau bis 1914 in vier Umschriften.

Diese Liste der Straßennamen Tsingtaus erstellte ursprünglich Herr Wang Dong, Tsingtau

Herr Prof. Wilhelm Matzat redigierte die Liste und fügte weitere Namen hinzu.

Herr Prof. Takehiko Seto fügte weitere Namen hinzu und ergänzte die Liste um die meisten japanischen Namen.

Walther Kerner schrieb die Liste in Multiplan und formatierte sie dann auf Exel.

Stand: 25.06.2007 (weitere Verbesserungen von Prof. Matzat)

Die Repatriierung von Tsingtau- und Tsinan-Deutschen im August 1947 auf der „General Black“.

Verfaßt von Wilhelm Matzat, Bonn

Im Sommer 1947 wurde es bekannt, daß die Amerikaner weiterhin die Nanking-Regierung drängten, China-Deutsche zu repatriieren. Die chinesische Regierung machte mit, zumal es sie nichts kostete. Die Amerikaner, in ihrem zelotenhaften Eifer, übernahmen ja die gesamten Transportkosten. Immerhin wurden die zu Repatriierenden rechtzeitig informiert – mit vielen Ausnahmen, wie wir sehen werden. Sie erhielten von der Deutschen Nothilfe folgendes Schreiben:

Rundschreiben No. 42/47 Tsingtau, 2.August 1947

An alle Reichsdeutschen!

1. Die folgenden Namen stehen noch auf der von Nanking ausgegebenen Repatriierungsliste:

Familie Carl Ahrens Frl. Gertrud Janisch (sie war Österreicherin)
Familie Gustav Ahrens (Shanghai) Familie Friedrich Klicker
Familie Wilhelm Bälz Familie Carl Löwenstein (Taiyuan)
Familie Richard Bock Familie Dr. Karl Ludwig
Familie Heinrich Dietsch Familie Rudolf Müller
Herr Günther Düsing u.Sohn Hermann Herr Karl Reichel (Changsha)
Familie Bruno Frinke Familie Dr. Helmut Schwabe
Herr Carl Geschke Herr Walter Sperber
Herr Anton Hirsch Herr Dr. Hans Wallmüller
Prof. Franz Hübotter ferner:
Familie Otto von Alemann Herr David Kiesow
Familie Anatol Malsch

2. Die folgenden Namen wurden von uns aufgegeben für den Anschluß an die vorgesehene Repatriierung:

Ludmilla von Bergmann Erich Jungmann (aus Tsinan)
Elisabeth Imhoff (aus Tsinan) Agnes Leupold und Sohn Klaus (aus Tsinan)
Elsbeth Kroemer (NI) Karl und Martha Schäfer (aus Tsinan)
Heinrich Schläger Rosalie Schulze
Hermann Vorkauf
ferner die Österreicher: Josef und Charlotte Kruta u.Sohn Ralph Otto Teuschel (aus Tsinan)

Wir bitten um die Heimatadressen für 1) und 2): Ort, Provinz, Zone. Das maximal mitzunehmende Gepäck dürfte 150 kg pro Person, das maximal mitzunehmende Bargeld US $ 100.- betragen, Kinder die Hälfte. Deutsche Nothilfe TSINGTAU

Aus der Liste ist zu ersehen, daß die Gruppe 1) zwangsweise, also gegen ihren Willen, repatriiert werden sollte, während die Gruppe 2) anscheinend freiwillig mit nach Deutschland fahren wollte, da die meisten von ihnen wohl mittellos waren. Sie hätten ja keine Reisekosten, die Amerikaner bezahlten alles. Den zwangsweise zu Repatriierenden stand das Recht zu, beim Bürgermeister von Tsingtau, Li Hsien-liang, ein Gesuch um Rückstellung von der Liste einzureichen. Viele taten dies und erhielten offenbar, zumindest indirekt, den Hinweis, daß sie daraufhin nicht repatriiert würden.
In den Akten des amerikanischen Generalkonsulates von Tsingtau, die ich in den National Archives in Washington,D.C., einsehen konnte, fand ich einige Dokumente, die erhellen, was bis zum Abflug nach Shanghai am 28.August 1947 sich hinter den Kulissen abgespielt hat. Aus jenen geht hervor, daß die chinesische Seite, vertreten durch des Bürgermeisters Sekretär Samuel Li, der für das Ausländeramt zuständig war, die Angelegenheit recht locker nahm, während das U.S.Konsulat der Hauptdrahtzieher war, vertreten durch Generalkonsul Spiker, Konsul Richard Service und Vizekonsul Hein. Bürgermeister Li selbst hielt sich ganz bedeckt und ließ die drängenden Amerikaner lange Zeit abwimmeln mit der üblichen Ausrede: „Der Bürgermeister ist nicht da, wir wissen nicht wo er ist, wir können ihn nicht finden“ usw.

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Hong Shu-zu (1858 – 1919), Kabinettsekretär

Arrangeur des Attentats auf Song Jiao-ren in 1913.

Hong Shu-zu ist unter den „Flüchtlingen“, die nach der chinesischen Revolution vom 10. Oktober 1911 sich in Tsingtau niedergelassen hatten, sicherlich der Exotischste. Über ihn gibt es einen Aktenbestand. Im Jahre 1913 war Yuan Shi-kai provisorischer Präsident der chinesischen Republik und hatte sich inzwischen die Feindschaft von Sun Yat-sens Partei zugezogen. Einer ihrer wichtigsten Führer, Song Jiao-ren, wollte am 20.März 1913 zu Verhandlungen nach Peking reisen. Beim Besteigen des Zuges in Shanghai wurde er von 2 Attentätern angeschossen, und er starb 2 Tage später. Die beiden Attentäter wurden verhaftet, der eine starb im Gefängnis, der zweite konnte später entkommen, wurde aber im Januar 1914 im Zug Peking-Tientsin erschossen. Durch schnell gefundene Dokumente ergab sich der Verdacht, dass das Attentat vom Ministerpräsidenten Zhao Bing-qun in Peking und seinem Kabinettsekretär Hong Shu-zu veranlaßt worden war. Um sich einer Untersuchungshaft und einer eventuellen Bestrafung zu entziehen, floh Hong nach Tsingtau, wo er am 26. März 1913 eintraf und im Prinz Heinrich Hotel Quartier nahm. Der Gouverneur von Schantung forderte daraufhin seine Verhaftung und Auslieferung. Für das Gouvernement in Tsingtau ergab sich nun die Frage, ob Hong an die chinesischen Behörden auszuliefern sei oder nicht. Der relativ umfangreiche Briefwechsel ist erhalten und Hans Christian Stichler hat den Fall in einem Aufsatz dargestellt: „Die deutsche Jiaozhou-Administration und das Attentat auf Song Jiao-ren“, in: Berliner China-Studien, Bd.21, 1994, S.359-74. Aus den Schreiben, die damals im Jahre 1913 zwischen dem Gouvernement in Tsingtau und der deutschen Gesandtschaft in Peking und dem Auswärtigen Amt in Berlin gewechselt wurden, bringt Stichler ausführliche Zitate. Warum er das tut ist schwer einzusehen, denn das Endergebnis der Affäre ist ganz undramatisch: Hong kann in Tsingtau bleiben. Die chinesischen Behörden waren anscheinend nicht mehr interessiert, da sie durch wichtigere Ereignisse des Jahres 1913 abgelenkt waren. – Zhao Bing-qun, Hongs gewesener Vorgesetzter, starb plötzlich am 27.2.1914.
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Gromsch, George (1855 – 1910), Hafenbaudirektor

Richard George Gromsch wurde am 11.10.1855 in Danzig geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er ein Bauingenieurstudium. Nach den beiden Hauptprüfungen wird er als Bauführer und dann als Regierungsbaumeister tätig geworden sein, offensichtlich zunächst im Danziger Hafen- und Werftbereich. Später ist er in Wilhelmshaven tätig (erwähnt im Mai 1896). Im August 1897 ist er nachweislich Bauinspektor auf der Kaiserlichen Werft in Kiel. Direktor der Werft dort war Georg Franzius, der im Frühjahr 1897 nach China geschickt worden war, um verschiedene Standorte an der chinesischen Küste zu vermessen, die eventuell als Flottenstützpunkt für die deutsche Ostasiatische Kreuzerdivision in Frage kämen. Franzius, begleitet von dem Dolmetscher Emil Krebs, hatte dabei auch die Bucht von Kiautschou besucht und vermessen. Kaum war Franzius nach Deutschland zurückgekommen und hatte seinen Bericht im Reichsmarineamt abgeliefert, geschah am 1.11.1897 die Ermordung zweier deutscher katholischer Patres in West-Schantung, die dann die Besetzung der Kiautschou Bucht am 14.11.1897 auslöste, und zwar durch das Matrosen-Landungskorps von 3 deutschen Kriegschiffen, unter Konteradmiral von Diederichs. Durch die nachfolgenden Verhandlungen mit der chinesischen Regierung konnte Deutschland an der Ostküste der Kiautschou-Bucht ein Areal für 99 Jahre pachten. Unter der Führung des Reichsmarineamtes und seines Staatsseketärs Tirpitz (später geadelt) sollte Tsingtau zu dem gewünschten Flotten- und Handelsstützpunkt ausgebaut werden, mit einem modernen Hafen und Docks, an denen auch Kriegsschiffe und Hochseeschiffe anlegen konnten. Sicherlich auf Empfehlung von Gromsch’s Chef, Georg Franzius, bestimmte Tirpitz den Gromsch dazu, die Bauverwaltung beim Gouvernement in Tsingtau zu leiten und den Bau eines Großen Hafens durchzuführen. Am 16. Mai 1898 traf Gromsch in Tsingtau ein. Eigentlich sollte der Berliner Stadtbaumeister Max Knopff gleichzeitig mit Gromsch ankommen, jener sollte die Hochbauabteilung des Gouvernements leiten und den städtischen Bauplan entwerfen. Wegen Erkrankung konnte Knopff aber nicht mitfahren und erreichte dann Tsingtau erst am 6. August 1898, so dass er bei dem Entwurf des Tsingtauer Bauplanes, der am 2. Sept. veröffentlicht werden musste, nicht mehr entscheidend mitwirken konnte.

Bis November 1902 hat Gromsch als erster Hafenbaudirektor und Leiter der Bauverwaltung Tsingtaus gewirkt. Ihm unterstanden 3 Abteilungen: 1. Hafenbau. 2. Tiefbau. 3. Hochbau. Er musste also grundlegende Entscheidungen für den Aufbau Tsingtaus fällen. Für das entscheidende Problem: „Wo und in welcher Form soll der Große Hafen gebaut werden?“ gab es schon 2 Entwürfe. Den einen hatte Georg Franzius geliefert, den anderen der Ingenieur Gädertz, den eines der Industriesyndikate nach Schantung geschickt hatte, um die Trasse zu inspizieren, längs der die Eisenbahnlinie von Tsingtau nach Tsinanfu (rund 450 km) gebaut werden sollte. Nachdem Gromsch das Terrain hinreichend kennengelernt hatte, verwarf er die Entwürfe von Franzius und Gädertz und die von ihnen vorgeschlagenen Standorte. Gromsch ist also der Schöpfer des Großen Hafen Tsingtaus, so wie er dann mit seinem langen nördlichen Umfassungswall und den 2 Molen bis 1905 gebaut worden ist.

Man kann hinzufügen, dass das RMA 1899 noch Admiralitätsrat Emil Rechtern für einige Wochen nach Tsingtau geschickt hatte, der vielleicht einige Ergänzungen eingebracht hat, letztendlich aber den Gromsch Plan abgesegnet hat. Rechtern war ja von 1876 bis 1891 der Hafenbaudirektor Wilhelmhavens gewesen, und hatte die erste Erweiterung des Hafens von WHV durchgeführt.

Es soll hier nicht weiter auf Gromsch’s Tätigkeit als Hafenbaudirektor Tsingtaus von 1898 bis 1902 eingegangen werden. Dazu wären längere Ausführungen nötig. Sicherlich waren diese Jahre kein Zuckerschlecken für ihn und Ärger und Kritik hat es genug gegeben. Erschwerend kam wohl hinzu, dass Gromsch’s Frau von seinen Kollegen irgendwie als nicht ganz standesgemäß angesehen wurde, so dass Gromsch’s gesellschaftliche Stellung in Tsingtau nicht optimal war. Gromsch war verheiratet mit Anna Clara Rosalie Nath (geb. in Elbing 9.2.1868).
Kinder: Werner geb. 3.11.1888 in Danzig; Herbert gest. 4.8.1891 in Danzig; Ulrich geb. 17.5.1896 in Wilhelmshaven; Lotte geb. 20.10.1900 in Tsingtau.
Am 29.7.00 wird Marine-Baurat Gromsch zum Hafenbaubetriebsdirektor ernannt.
Immerhin erhält Gromsch im Febr. 1902 den Roten Adlerorden IV. Klasse. Er fuhr am 12.02.1902 nach Shanghai und von dort für 4 Wochen nach Hankou, wegen der dort eingestürzten Quaimauer. Er wird vertreten durch Hauptmann Müller. Im November 1902 verlässt Gromsch Tsingtau endgültig und hält sich einige Monate in Zopot bei Danzig auf. Am 8.4.1903 trifft er in Kiel ein als Marinebaurat und Hafenbaumeister und wohnt in der Goethestraße. Aber bereits am 22.10.1903 zog er in seine Geburtsstadt Danzig zurück, wo er „mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Hafenbaudirektors“ beauftragt worden war. (Ostasiatischer Lloyd, 22.01.1904, 135.)

Marine-Oberbaurat und Hafenbaudirektor Gromsch ist am 12.12. 1910 nach längerem Leiden in Danzig im 56. Lebensjahr gestorben. (Kiautschou-Post 1911, 1. Halbband, S.16).

Im Hafenviertel Tsingtaus wurde eine Straße nach ihm, eine andere Straße nach Rechtern benannt.